Bonsaischalen herstellen

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Gießton-Bonsaischalen herstellen Herstellung handgemachter Bonsaischalen Yixing Bonsaischalen

Die Herstellung von Bonsaischalen erfolgt durch unterschiedliche Techniken (z.B. Gießtontechnik, Freier Aufbau in Handarbeit) mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen, was die Qualität der Bonsaischalen betrifft.

Trotz der großen Unterschiede im Ergebnis erfolgt die Produktion von Bonsaischalen bei allen Techniken sehr ähnlich: Die Tonmasse und die Gipsformen werden gekauft oder eigenständig hergestellt, der Ton wird (meist) mit einer Gipsform in Form gebracht, der Schalenrohling wird nachgearbeitet und getrocknet, eventuell glasiert und dann gebrannt.

Der Ton

Die meisten im Handel angebotenen Bonsaischalen bestehen aus Keramik. Solche Keramik-Bonsaischalen werden aus Ton hergestellt. Der dafür verwendete Ton kann ganz unterschiedliche Eigenschaften haben:

  • Schamott: Wird dem Ton großer Bonsaischalen beigefügt damit sie sich beim Trocknen und Brennen nicht verziehen. Der Schamott-Anteil liegt bei großen Schalen häufig im Bereich von 20-25%.
  • Farbe: Die Tonfarbe variiert stark. Häufig wird dunkelbrauner Ton verwendet. Aber auch die Verwendung von grauem bis hin zu fast schwarzem Ton ist üblich. Selbst gelb und blaue Tone werden ab und an verwendet.
  • Brenntemperatur: Jeder Ton hat eine bestimmt Temperatur, bei der er sintert. Beim Sintern "backen" die keramischen Grundstoffe des Tons bei einer bestimmten Temperatur so zusammen, das die Keramik danach kein oder kaum noch Wasser aufnimmt. Je weniger Wasser die fertige Keramik aufnimmt desto widerstandfähiger ist die Keramik gegen Frostschäden. Typische Sintertemperaturen für Bonsaischalen liegen im Bereich zwischen 1100-1220°C.

Der Ton wird meist von spezialisierten Firmen zugekauft. In manchen Bonsaitöpfereien wird die Tonmasse auch noch selbst hergestellt. Dazu wird die Tonerde gemahlen, gesiebt und nach Zugabe von etwas Wasser zu Platten oder Barren gepresst.


Die Gipsformen

Der benutzte Ton wird mit Hilfe von Gipsformen in Form gebracht (Ausnahme: Freier Aufbau durch Handarbeit), mehr oder weniger aufwendig nachgearbeitet (Glätten, Glasieren, evtl. Bemalen oder Gravieren) und getrocknet.

Die Produktion der Gipsformen ist nicht so einfach und wird deshalb von spezialisierten Mitarbeitern ausgeführt. Meist wird zuerst eine "Masterform" aus Gips hergestellt. Von der Masterform werden die "Arbeitsformen" aus Gips erzeugt.

Mit jeder Arbeitsform lassen sich einige Dutzend identische Bonsaischalen herstellen. Werden neue Arbeitsformen benötigt können diese jederzeit mit Hilfe der Masterform erstellt werden.


Die Keramik-Brennöfen

Nach dem Trocknen wird die Rohkeramik in einem Tonofen gebrannt. Tonöfen wurden früher oft mit Kohle beheizt. Heutzutage sind Gas- oder Elektroöfen verschiedener Größe üblicher. Meist wird nur einmal gebrannt.

Bei glasierten Bonsaischalen wird der Rohling oft zweimal gebrannt (1. Brand = Schrühbrand bis ca. 950°C -> Glasur wird aufgebracht -> 2.Brand = Glasurbrand bei ca. 1100-1220°C)


Der Brand

Unabhängig von verwendeten Ton oder Brennofen erfolgt der Brand der Bonsaischalen ähnlich und unterteilt sich in die Aufheizphase, Haltedauer bei der endgültigen Brenntemperatur und der Abkühlphase.

Vor allem die Dauer der Aufheizphase und die Haltedauer bei der endgültigen Brenntemperatur entscheiden sehr darüber ob das Ergebnis gut ist oder die gebrannten Bonsaischalen verworfen werden müssen.

Da die Zeit für die Phasen sehr unterschiedlich sein kann macht es hier wenig Sinn zu viele Daten aufzuführen. Nur ein typisches Beispiel, welches für viele handgemachte Schalen mittlerer Größe in Gasöfen genutzt wird:

  • Aufheizen mit ca. 80-100°C pro Stunde bis zu einer Brenntemperatur von 1200°C. Dauer entsprechend ca. 12-14 Stunden.
  • Haltedauer bei 1200°C ca. 30 Minuten. In dieser Zeit sintert die Bonsaischale und eine Glasur verflüssigt sich und nimmt ihre endgültige Farbe an.
  • Abkühlphase: Dauert oft 24-30 Stunden und hängt ganz wesentlich von der Dämmung des Brennofens ab. Ein gut gedämmter Brennofen kühlt nur langsam ab. Das ist auch gut so. Kühlt eine Keramik zu schnell ab kann sie platzen oder zerreißen.

Während der Aufheizphase und der Haltezeit verändert sich der Ton in verschiedenen Schritten so, das im Endergebnis unsere Bonsaischale ihre Form behält, nicht mehr wasserlöslich ist (Ton lässt sich in Wasser lösen) und eventuell sogar tiefsten Frösten widerstehen kann.

  • Aufheizphase bis 100°C: Obwohl die Schalen getrocknet wurden enthalten sie noch viel Wasser. Dieses Wasser verdampft bis 100°C. Wird zu schnell aufgeheizt kann es schon hier die Bonsaischale durch den Dampfdruck zerreißen.
  • Aufheizphase 100-400°C: Weiteres (kristallin gebundenes) Wasser entweicht. Bis hierhin ist die Schale immer noch wasserlöslich. D.h. würde man sie aus dem Ofen entnehmen und in Wasser stellen würde sie komplett zerfallen.
  • Aufheizphase 400-950°C: Der Ton verändert sich schrittweise chemisch. Dieser Prozess ist bei vielen Tonarten bei ca. 950°C abgeschlossen. Diese Temperatur wird als Schrühtemperatur bezeichnet. Jetzt ist der Ton nicht mehr wasserlöslich. Die gebrannte Keramik ist aber noch sehr porös und kann viel Wasser aufnehmen. D.h. die Schale ist noch sehr brüchig und nicht frostfest.
  • Haltephase bei ca. 1100-1220°C: Jetzt sintert der Ton und wird immer dichter und fester. Wenn Temperatur und Haltedauer stimmen (je nach Ton unterschiedlich) wird die Bonsaischale frostfest weil sie kein oder kaum noch Wasser aufnehmen kann.

Wird eine Keramik für den benutzten Ton zu lang oder bei zu hoher Temperatur gebrannt kann die Keramik im Ofen schmelzen. Ist die Dauer zu kurz oder die Temperatur zu niedrig sintert die Schale nicht komplett und ist dann nicht vollkommen frostfest.

Das Brennen einer Bonsaischale ist ein sehr komplexer Vorgang. Selbst bei erfahrenen Töpfern kann es schnell mal zu Fehlern beim Brand kommen weil im Brennofen z.B. sich die Temperaturen an der Wand von der Mitte unterscheiden oder weil an einer Stelle mehr Luft (Sauerstoff) eindringt und eventuell eine Glasur verändert.

Woran kann man dann eine gute Töpferei von einer schlechten unterscheiden ? Ganz einfach - durch die Größe des Haufens an Ausschuss ;-) Bei guten Töpfereien ist der Haufen groß, die schlechten Töpfereien verkaufen auch die Ausschussware.


Die Produktionstechniken

Die Herstellung von Bonsaischalen erfolgt auf unterschiedliche Art und Weise. Sie können durch Handarbeit (freier Aufbau oder mit Hilfe von Gipsformen) oder auf industrielle Weise durch Pressen oder Gießen des Tones produziert werden.

Die Produktionsmethoden für Bonsaischalen haben alle ihre Berechtigung. Im Ergebnis entstehen Schalen, die sich in Qualität, Preis und Einsatzgebiet deutlich unterscheiden.

Folgende Herstellungstechniken kommen bei der Produktion von Bonsaischalen zum Einsatz:

  • Gießtontechnik: Die Gießtontechnik wird für die Herstellung günstiger Bonsaischalen eingesetzt. Sie eignet sich durch geringe Kosten für die Massenproduktion von Bonsaischalen für Zimmerbonsai. Die mit der Gießtontechnik produzierten Schalen sind häufig qualitativ nicht sehr hochwertig. Der Hauptvorteil besteht in ihrem niedrigem Preis. Obwohl sie in erster Linie für Zimmerbonsai produziert werden sind viele Gießtonschalen erstaunlich frostfest. Oft liegt der Wert für die Frostfestigkeit bei ca. 97-98%, d.h. von 100 Schalen überstehen ca. 97-98 Bonsaischalen den 1. Winter. Später geht nur noch selten eine Schale im Winter zu Bruch.

    Weitere Informationen unter: Bonsaischalen Herstellung mit der Gießtontechnik

  • Presstechnik: Die Schalenrohlinge aus Ton werden mit einer Presse hergestellt. Das geht meist sehr zügig. Bei kleineren Schalen benötigt ein guter Arbeiter oft nur 20 Sekunden. Auch mit dieser Technik lassen sich Bonsaischalen extrem günstig herstellen und sie eignet sich sehr gut für die Massenproduktion. Und Massenproduktion heißt in China wirklich Massenproduktion. Eine von uns besuchte Töpferei stellte viele Millionen Schalen und Untersetzer pro Jahr her. Ein weiterer Vorteil der Presstechnik ist: Die Bonsaischalen sind häufig viel akkurater und maßhaltiger. Nachteil: Es können nur Bonsaischalen hergestellt werden die nach oben breiter werden. Verengt sich z.B. der Rand der Schale ist es unmöglich sie aus der Form zu bekommen.

  • Drucktechnik: Hier wird der flüssige Ton unter Druck in die Formen gepresst. Die entstehenden Schalen sind sehr akkurat und maßhaltig. Diese Technik ist ebenfalls für die Herstellung großer Mengen an Schalen geeignet. Da die Technik neu ist ist hier der Preis (durch die hohen Investitionskosten am Anfang) deutlich höher als bei der Gießton- oder Presstechnik. Der Preis wird aber durch zunehmende Konkurrenz voraussichtlich in den nächsten Jahren sinken. Qualitativ sind diese Schalen sehr gut. Leider werden im Moment (2020) fast nur kleinere Schalen bis 30cm produziert.

  • Handarbeit mit Hilfe von Gipsform: Diese Technik wird besonders für Bonsaischalen >30cm eingesetzt, da sich große Bonsaischalen nur schwer mit den anderen Techniken (Gießen, Pressen, Drucktechnik) herstellen lassen. Handarbeit heißt dabei nicht automatisch hohe Qualität. Die Qualität der Schalen hängt ganz wesentlich davon ab, welche Sorgfalt bei der Nachbearbeitung der noch ungebrannten Schalenrohlinge aufgewandt wird. Je nach Schalengröße und Qualitätsanforderungen schafft ein Arbeiter hier oft nur 5-10 Schalen am Tag, bei sehr guten Schalen oft noch weniger. Dies spiegelt sich auch im Preis wider. Gute, handgemachte Schalen kosten ein Vielfaches (oft das Zehn- bis Zwanzigfache) einer Industrieschale und sind meist gut frostfest.

    Weitere Informationen unter: Herstellung handgemachter Bonsaischalen

  • Handarbeit ohne Form: Hier sind wir jetzt in der qualitativen Königsklasse angekommen. Der freie Aufbau einer Bonsaischale ohne Zuhilfenahme einer Gipsform ist sehr aufwendig. Häufig schafft ein guter Töpfer nur eine Schale am Tag, was sich im sehr hohen Preis niederschlägt. Dafür bekommt er aber auch eine individuelle Schale für seinen Bonsai, häufig mit Widmung unter dem Schalenboden. Solche Bonsaischalen sollten zu 100% frostfest sein.