Bonsai umtopfen

Warum umtopfen ? Wann umtopfen ? Schritt für Schritt Anleitung Schalenwahl Benötigte Werkzeuge

Wenn man erfolgreich Bonsai gestalten möchte muss man sich vor allem und zuerst um die Pflege der Bonsai Gedanken machen.

Das Umtopfen von Bonsai ist dabei eine der wichtigsten Pflegetechniken und sehr entscheidend für die langfristige Gesunderhaltung von Bonsaibäumen. Leider wird es oft vernachlässigt oder falsch ausgeführt. Dabei ist das Umtopfen der Bonsaibäume nicht kompliziert sondern eine einfache und grundlegende Technik im Gartenbau.

Im Wesentlichen muss man zur richtigen Zeit umtopfen, eine passende Bonsaischale auswählen und die richtige Bonsaierde nutzen. Auf dieser Seite haben wir versucht die Punkte zusammenzutragen die beim Umtopfen von Bonsai beachtet werden sollten. Bevor wir ins Detail gehen soll zuerst einmal erklärt werden warum Bonsai überhaupt umgetopft werden müssen.

Warum ist das Umtopfen von Bonsai wichtig ?

Bonsai sind Lebewesen. Sie verändern sich ständig, sowohl oberirdisch als auch unter der Erde. Um gut zu wachsen und zu gedeihen brauchen sie Energie (wird durch Photosynthese in den Blättern gewonnen und in Zuckern gespeichert) und Nährstoffe, die sie dem Boden entnehmen. Um die Nährstoffe aufnehmen zu können brauchen sie viele Wurzeln. Diese bilden sich im Boden ständig neu.

Da in der Bonsaischale aber nur ein begrenzter Raum zur Verfügung steht ist nach einer gewissen Zeit das gesamte Bonsaisubstrat in der Schale durchwurzelt. Daraus ergibt sich ein Problem: Es ist kein weiterer Platz für neue Wurzeln vorhanden.

Und es entsteht ein noch viel größeres Problem: Sämtliche Poren im Boden sind mit Wurzeln ausgefüllt. Aber die Luft in diesen Poren ist für die Wurzel sehr wichtig. Wurzelzellen brauchen wie alle Zellen zum Leben Sauerstoff. Während Sauerstoff oberirdisch in der Luft leicht verfügbar ist, kann die Sauerstoffversorgung im Boden schwierig sein. Ohne Luft im Boden fehlt der Sauerstoff. Dann sterben selbst die schon vorhandenen Wurzeln ab und der Bonsai geht ein.

Das Problem wird noch verstärkt durch den Zerfall der Bonsaierde in Laufe der Zeit. Frisch getopft hat eine vernünftige Bonsaierde eine grobe Struktur. Durch den Einfluss von Organismen im Boden und durch "Zerfrieren" im Winter wird die Struktur der Erde im Laufe von 2-3 Jahren immer feiner. Je feiner die Erde aber ist desto kleiner ist der Porenraum im Substrat, der dann noch von den neu gebildeten Wurzeln verdichtet wird. Zum Schluss fehlt immer wieder der nötige Sauerstoff im Boden. Ein großes Problem für den Bonsai.

Und noch ein weiteres Problem entsteht bei verdichteter Bonsaierde: Bei der Zellatmung der Wurzelzellen wird Sauerstoff verbraucht und es entsteht Kohlendioxid. Ist die Erde in der Schale dicht und feucht löst sich das Kohlendioxid im Wasser und es entsteht Kohlensäure. Dadurch versauert der Boden langsam und stetig was die meisten Bäume nicht mögen.

Alle diese Probleme können wir nur lösen durch regelmäßiges Umtopfen der Bonsai. Dabei wir die zersetzte, feine Erde durch neues, gröberes Substrat ersetzt. Und in vielen Fällen wird durch einen Wurzelschnitt ein Teil der Wurzeln entfernt und so wieder Platz geschaffen für neues Wachstum.

Wird ein Bonsai nicht regelmäßig umgetopft wird er im Laufe der Jahre immer schwächer wachsen und früher oder später wird er absterben. Soweit sollte man es nicht kommen lassen. Außerdem - je länger man mit dem Umtopfen wartet desto schwieriger wird der Eingriff für den Baum und auch für den Bonsaifreund. Oft ist es dann extrem schwierig und schweißtreibend die alten Bonsaierde zu entfernen.

Aber - keine Regel ohne Ausnahme: Ohne Umtopfen verlangsamt sich das gesamte Wachstum im Laufe der Jahre. Die Abstände der Blattknoten (Internodien) an einem Trieb verkürzen sich. Oft blühen die Bäume auch besser. Das kann bei reiferen Bäumen das gealterte Aussehen unterstützen. D.h. bei reiferen Bäumen kann es manchmal förderlich sein sie in ihrem Wachstum etwas auszubremsen indem man das Umtopfen solcher Bonsai 1 Jahr hinausschiebt.

Wann sollten Bonsai umgetopft werden ?

Vor allem muss ein Bonsai umgetopft werden wenn der Boden sich zu sehr verdichtet. Die Verdichtung des Bodens nimmt hauptsächlich durch das Wachstum der Wurzeln und den langsamen Zerfall der Bonsaierde zu. Entsprechend muss, je nach Schnelligkeit des Wurzelwachstums und der Art der Bonsaierde, ein Bonsai nach ca. 3-5 Jahren umgetopft werden.

Junge Pflanzen von schnell wachsenden Baumarten (die meisten Ahornbonsai, Ulmen und Apfelbonsai) müssen oft schon nach 1-2 Jahren umgetopft werden. Ältere Bonsai (Formgebung ist weitgehend abgeschlossen) von Baumarten mit einem langsamen Wurzelwachstum (z.B. Kiefernbonsai, Lärchen- oder Wacholderbonsai) können oft 1-2 Jahre länger im gleichen Substrat stehen.

Bonsai, die in ein feines oder schnell zerfallendes Substrat (z.B. Torf, Blumenerde, wiederbenutztes Akadama) getopft wurden müssen zeitiger umgetopft werden als Bonsai, die in einem strukturstabilen Substrat (z.B. Blähschiefer, hochwertiges Akadama, Kiryuzuna) stehen.

Manchmal kann auch eine Versalzung der Bonsaierde (z.B. nach Überdüngung mit mineralischen Nährsalzen) oder der übermäßige Befall des Bodens mit Schädlingen ein Grund zum Umtopfen sein. Beides kommt aber sehr selten vor.

Wie kann man erkennen ob die Bonsaierde verdichtet ist ?

Am besten, indem man den Bonsai vorsichtig aus der Schale hebt. Sind nur noch Wurzeln an der Außenseite des Ballens zu sehen ist es meist höchste Zeit zum Umtopfen.

Wurde der Bonsai beim letzten Topfen sachgemäß mit Bonsaidraht in der Schale fixiert ist ein Herausheben nur schwer möglich. Aber es gibt noch weitere Möglichkeiten, um die Notwendigkeit des Umtopfens einschätzen zu können.

  • Wurde ein Laubbaum seit 3 Jahren und ein Nadelbaum seit 5 Jahren nicht mehr umgetopft ist es meisten höchste Zeit für einen Wechsel des Substrats.
  • Haben sie einen frisch importierten Baum gekauft steht er meist mindestens 2 Jahre in der gleichen Erde. Solange stehen die meisten Importbonsai in einer Exportgärtnerei, werden regelmäßig kontrolliert und in dieser Zeit meist nie umgetopft.
  • Wächst der Baum langsamer als typisch ist für die Baumart oder Sorte kann ein Umtopfen des Bonsai erforderlich sein.
  • Wenn der Boden beim Gießen des Bonsai kaum noch Wasser aufnimmt ist die Bonsaierde oft stark verdichtet.
  • Wenn der Wurzelballen sich langsam aus der Schale nach oben drückt wurde der Ballen des Bonsai nicht sachgerecht mit Draht befestigt und meist haben sich auch schon zu viele Wurzeln gebildet. Ein Umtopfen ist meist sinnvoll.
  • Wenn trotz guter Düngung und Wassergabe an einem optimalen Standort der Bonsai gelbliche Blätter hat ist das Substrat meist verdichtet.

Alle aufgeführten Argumente zum richtigen Zeitpunkt sollten aber nicht pauschal umgesetzt werden. D.h. topfen sie nicht um bloß weil 1 Punkt erfüllt ist. Beobachten sie ihre Bonsai sorgfältig, analysieren sie ihr Wachstum und erst nach Abwägung aller wichtigen Punkte sollte man sich entscheiden. Zu häufiges Umtopfen kann auch negative Folgen haben. Alle oben erwähnten Symtome sind grundlegende Hinweise um dem Einsteiger Fakten für die Entscheidung an die Hand zu geben. Bloß weil 3 Jahre rum sind muß kein Laubbaumbonsai zwangsläufig umgetopft werden.

Die Frage, wann ein Bonsai umgetopft werden soll, kann man auch als Frage nach der richtigen Jahreszeit verstehen.

Wann ist die beste Jahreszeit zum Umtopfen ?

Bei fast allen Bonsai ist das zeitige Frühjahr der beste Umtopf Zeitpunkt. Unter zeitigem Frühjahr verstehen wir in Deutschland ca. Ende Februar-Anfang März. In südeuropäischen Ländern kann der beste Zeitpunkt auch schon Ende Januar sein, in nordeuropäischen Ländern evtl. erst im April. Entscheidend ist: Der Winter mit Dauerfrösten sollte vorbei sein, der Baum sollte kurz vor dem Austrieb stehen und es sollte noch nicht zu warm sein.

In Einzelfällen kann auch am Ende des Sommer umgetopft werden. Manche immergrüne Baumarten wie Kiefern bilden dann neue Wurzeln. Wichtig ist hier: Die Hitze des Hochsommers sollte vorbei sein.

Manche Baumarten wie z.B. Azaleenbonsai werden in Asien oft auch nach der Blüte (d.h. ca. Mai-Juni) umgetopft. Dort ist die Luftfeuchte sehr hoch und die Pflanzen wachsen selbst in dieser Zeit gut an. In Europa sollte man im Sommer aber nur umtopfen wenn der Bonsai nach den Topfen für ein paar Wochen zum Anwachsen in ein Gewächshaus gestellt werden kann.

Warum ist das zeitige Frühjahr der beste Umtopf Zeitpunkt für die meisten Baumarten ?

Die Pflanzen befinden sich dann noch in der Winterruhe und verdunsten ohne Blätter kaum Wasser. Dadurch überstehen sie die Phase des Umtopfens mit einem teilweisen Verlust ihrer Wurzeln besser. Die Wunden an den Wurzeln, die beim Umtopfen entstehen, können besser verheilen. Und vor allem - es können sich bis zum Austrieb der Blätter neue Wurzelhaare bilden die die Versorgung des Baumes im Sommer gewährleisten. Topft man zu früh um ist die Heilung der Schnittstellen verlangsamt, topft man zu spät kann die Wasser- und Nährstoffversorgung des Baumes leiden.

Wann sollten Bonsai nicht umgetopft werden ?

Der wichtigste Hinweis überhaupt ist: Topfen sie einen Bonsai nicht um bevor sie sich informiert haben und alle Argumente für und wider abgewogen haben. Es ist immer 1 Woche Zeit um sich zu belesen, sich bei einem Bonsaihändler zu erkundigen oder den Baum zu einem Treffen eines Bonsaiarbeitskreises mitzunehmen um ihn dort gemeinsam zu analysieren. Ein Bonsaibaum steht viele Jahre in einer Bonsaischale. Außer bei einer massiven Überdüngung mit Nährsalzen kennen wir keine Argumente, warum ein Bonsai sofort umgetopft werden muß. 1-2 Wochen ist immer Zeit um alles abzuklären.

Unter folgenden Umständen sollten Bonsai nicht umgetopft werden:

  • Topfen sie nicht zur falschen Jahreszeit um. Der Hochsommer ist meist keine gute Zeit zum Umtopfen, ebenso der Winter.
  • Aus der Natur entnommene (Yamadori) Bonsai sollten erst wieder umgetopft werden wenn sie deutlichen Zuwachs im Vorjahr gezeigt haben.
  • Topfen sie nicht mehrfach im Jahr um. Selbst bei sehr schnell wachsenden Bonsaibaumarten ist dies auf keinen Fall nötig.
  • Topfen sie nicht um bloß weil 3 Jahre vergangen sind. Ist die Bonsaierde nicht gut durchwurzelt aber sonst noch in Ordnung kann man auf das Umtopfen verzichten.
  • Einen neu erworbenen Bonsai muss man nicht unbedingt sofort umtopfen. Besser ist den Baum erst einmal eine Wuchsperiode zu beobachten und dann zu entscheiden.

Umtopfen von Bonsai - Schritt für Schritt

1. Auswahl der Bonsaischale

Wenn wir uns entschieden haben das ein Bonsai umgetopft werden soll steht die Auswahl der richtigen Bonsaischale auf dem Plan. In vielen Fällen nimmt man die gleiche Schale wieder denn sie sollte eigentlich schon passend beim letzten Umtopfen ausgewählt worden sein. D.h. einen Bonsai umtopfen heißt nicht zwangsläufig eine neue Bonsaischale für den Baum zu nehmen. Wenn die Bonsaischale optisch gut zum Bonsai passt wird sie gesäubert und wiederverwendet.

Oft werden wir gefragt um wieviel eine neue Bonsaischale größer sein sollte als die alte. Unsere Antwort verblüfft meist: Sie braucht in den meisten Fälle nicht größer sein. Nur wenn ihr Baum deutlich größer geworden ist und bleiben soll muss eine größere Bonsaischale gewählt werden. Ansonsten wird eine gleich große Schale ausgewählt.

Warum ? Bonsaischalen werden nach ästhetischen Prinzipien ausgewählt. Wenn man bei jedem Topfen eine größere Schale wählt ohne das sich die Größe des Bonsai ändert würde es irgendwann komisch aussehen. Eine einfache Grundregel zur Schalengröße lautet: Die Länge der Bonsaischale sollte ca. 2/3 der Baumhöhe betragen.

Ist der Wurzelballen für eine ansonsten passende Schale zu gross wird er reduziert. D.h. der Wurzelballen des Bonsai wird zur Schale passend gemacht und nicht die Bonsaischale zum Wurzelballen ausgesucht. Kann der Wurzelballen nicht mit einem Mal wie benötigt verkleinert werden dann gehört der Bonsai eigentlich auch noch nicht in die endgültige Bonsaischale.

Ausführliche Informationen zur Schalenwahl finden sie unter:   Bonsaischalen Auswahl

2. Auswahl der Bonsaierde

Bei dem Begriff Erde denkt man oft an das, was man im Garten findet: Sehr fein, humushaltig, oft lehmig, mit verrottenden Bestandteilen. Diese Erde ist für Bonsai ungeeignet. Deshalb benutzen erfahrene Bonsaifreunde den Begriff Bonsaierde oft nicht sondern sprechen meist von Bonsaisubstraten. Diese sind meist nicht fein und enthalten kaum Humus und wenig verrottende Bestandteile.

Ein Bonsaibaum steht oft über viele Jahre ohne Substratwechsel in einer Bonsaischale. Über diesen langen Zeitraum muss die Bonsaierde eine optimale Versorgung mit Nährstoffen, Sauerstoff und Wasser gewährleisten. Eine handelsübliche Gartenerde, oder gar Blumenerde ist dazu nicht geeignet. Wenn Sie solche feinen Pflanzerden benutzen, wird ihr Bonsai in den meisten Fällen Schaden nehmen.

Ein gutes Bonsaisubstrat sollte folgende Anforderungen erfüllen: Gute Krümelstruktur (Durchlüftung) und Formstabilität, gute Entwässerung bei hoher Wasserhaltefähigkeit und eine ausreichende pH-Pufferfähigkeit.

Die von uns angebotenen Bonsaisubstrate erfüllen diese Kriterien. Für fast alle Bonsai kann das Akadama eingesetzt werden. Für Azaleenbonsai eignet sich Kanuma mit seinem niedrigen pH-Wert besser. Kiryuzuna ist länger strukturstabil als Akadama und wird deshalb bevorzugt für Nadelbaumbonsai eingesetzt die längere Umtopfintervalle haben. Blähschiefer und Bimskies kann man einsetzen um durch Beimischung die Stukturstabilität weiter zu erhöhen.

Im Internet findet man viele Rezepte für Bonsaierden nach dem Schema: Bodenmischung für Laubbäume: 25% Bimskies, 50% Akadama, 25% Lavagranulat und für Nadelbäume: 33% Bimskies, 33% Akadama, 33% Lavagranulat. Manchmal frage ich mich, warum nicht noch 2 Nachkommastellen angegeben werden. Wer solch detaillierte Kochrezepte weitergibt sollte das Ganze an vielen tausend Bäumen mit statistischen Methoden wissenschaftlich untersucht haben. Die Schreiber haben oft aber nur ein paar Bonsai zu Hause stehen.

Wenn man einen guten Boden für Pflanzen betrachtet (z.B. indem man ihn mal mit einer Lupe anschaut) sieht man eine poröse, schwammartige Struktur. Es gibt viele luftgefüllte Hohlräume, in denen es von Leben nur so wimmelt. Jeder natürlich vorkommende Boden ist einzigartig und hoch komplex. Aber alle Böden, auf denen Pflanzen gut wachsen können haben ähnliche Eigenschaften. Eine davon ist der große Porenraum. Und genau den brauchen wir in der Bonsaischale und zwar für mehrere Jahre.

D.h. Ob 10% Blähschiefer und 13% Bimskies ist nicht so entscheidend.

Viel wichtiger ist: Egal was sie nehmen, das Substrat sollte gut durchlässig und strukturstabil sein.

Sowohl Bimskies als auch Blähschiefer kann die Strukturstabilität und Durchlässigkeit z.B. von Akadama erhöhen. Das wird aber nur gebraucht wenn der Baum sehr lange in der Schale stehen soll. Summa summarum kann man pauschal sagen: Nehmen sie etablierte Bonsaierden wie Akadama oder Kiryu und sieben sie den Staub vor dem Topfen aus. Wenn der Bonsai länger als 3 Jahre in der Schale bleiben soll kann man nach Gusto Substrate wie Blähschiefer und Bimskies zufügen. Genaue Prozente anzugeben bedarf detaillierter Untersuchungen an vielen Tausend vergleichbaren Bonsai unter standardisierten Bedingungen. Wir kennen keine Bonsaigärtnerei in Europa, die dies untersucht hätte.

Wichtig ist aber immer wieder: Feine, staubförmige Bestandteile gehören nicht in eine gute Bonsaierde. Verrottbare Bestandteile sind auch problematisch da sie schnell zerfallen. Akadama, Kanuma oder Kiryuzuna pur und ohne Staub passt für fast alle Fälle. Das Ganze kombiniert mit einem organischen Dünger wie Biogold oder Hanagokoro - und schon freut sich der Bonsai. In unserer Bonsaischule benutzen wir seit 20 Jahren in der Anzucht ein Substrat mit viel Blähschiefer für fast alle Bonsai (außer Azaleen). Und wir sind mit dem Wuchs sehr zufrieden.

Bäume leben in den meisten Fällen mit Mykorrhza-Pilzen in Symbiose, d.h. in einer Partnerschaft zum Nutzen beider Partner. Viele Bäume sind auf diese Symbiose zwingend angewiesen und können ohne die Mithilfe des Pilzes nicht überleben.

Wenn wir einen großen Teil des alten Substrats entfernen geht ein Teil der Mykorrhiza verloren. Das ist kein großes Problem. Die Mykorrhiza bildet sich in den nächsten Monaten wieder neu. Bei der Neubildung der Mykorrhiza können wir dem Baum helfen indem wir das Substrat vor dem Topfen mit Mykorrhiza versetzen.

Eine Möglichkeit ist, dem neuen Substrat etwas (5-10% sollten ausreichend sein) von der alten Bonsaierde zuzumischen. Das Problem dabei ist: Wir mischen altes, zerfallenes Substrat bei und verstopfen damit sofort wieder die so wichtigen Poren.

Eine andere Möglichkeit ist die Zugabe von kommerziell erhältlicher Mykorrhiza. Da sie viel höher konzentriert ist braucht man viel weniger Volumen zugeben. Meist reicht ca. 1% hier aus (z.B. 500ml für 50l Bonsaisubstrat).

Ausführliche Informationen zum Thema Mykorrhiza finden sie unter:   Mykorrhiza und Bonsai

3. Zubehör zum Umtopfen zusammenstellen

Beim Umtopfen eines Bonsai sollte man zügig arbeiten damit die Wurzeln mit den feinen Wurzelhaaren nicht zu stark austrocknen. Deshalb ist es sehr sinnvoll vor Beginn der Arbeit alles Zubehör zusammenzustellen um die Arbeit später nicht unterbrechen zu müssen.

Welches Zubehör braucht man zum Umtopfen von Bonsai ?

  • Auf jeden Fall braucht man eine Bonsaischale. In vielen Fällen wird die aktuelle Schale wiederbenutzt
  • Bonsaierden und -substrate und evtl. Mykorrhiza-Pilze werden in ausreichender Menge benötigt
  • Manchmal wird ein Sieb gebraucht um die Staubanteile aus den neuen Substraten zu sieben
  • Abdeckgitter für die Drainagelöcher der Bonsaischale sollten bereitliegen. Oft kann man die alten Abdecknetze wiederverwenden
  • Häufig ist der Bonsaibaum mit Draht in der Schale fixiert. Zum Zerschneiden ist eine Bonsai-Drahtzange gut geeignet
  • Sehr wichtig und unentbehrlich sind Wurzelhaken und Wurzelkrallen zum Entfernen der alten Bonsaierde
  • Eine Handbürste zum Säubern des Wurzelansatzes ist sehr hilfreich
  • Bonsaischeren und Bonsaizangen werden zum Entfernen von Wurzeln benötigt
  • Aluminium Bonsaidraht zum Befestigen des Baumes in der Schale wird gebraucht
  • Erdschaufeln zum Einfüllen des Substrats sind hilfreich. Füllt man neues Substrat mit den Händen ein sollte man Gummihandschuh bereitlegen
  • Ein kleines Holzstäbchen leistet gute dienste zum Einarbeiten der Bonsaierde zwischen die Wurzeln
  • Damit die Wurzeln beim Umtopfen nicht austrocknen können sie mit einer Sprühflasche benetzt werden. Zur Not geht auch eine Ballbrause für Bonsai
  • Zu guter Letzt braucht man zum Giessen des Bonsai nach dem Topfen häufig eine Gießkanne

4. Austopfen des Bonsai

Das Austopfen des Bonsai ist manchmal nicht ganz einfach. Besonders wenn die Bonsaierde sehr verfestigt ist.

Zuerst muß häufig der Fixierungsdraht, der den Bonsai in der Schale hält, zerschnitten werden. Dazu neigt man den Bonsai etwas zu Seite und kappt den Bonsaidraht unter dem Boden der Bonsaischale mit einer Drahtzange.

Danach versucht man den Bonsai vorsichtig aus der Bonsaischale zu hebeln. Wenn er sehr eng in der Schale sitzt kann man mit einem Wurzelhaken oder einem Sichelmesser das alte Substrat an der Schalenwand etwas auflockern.

Vor dem Umtopfen ist es hilfreich, den Bonsai weniger zu gießen. Dadurch geht der Wurzelballen oft leichter aus der Schale.

5. Abdeckgitter befestigen

Wird die alte Bonsaischale wiederbenutzt sollte man sie jetzt säubern. Danach werden die Abdeckgitter über den Drainagelöchern angebracht.

Dazu bedeckt man die Drainagelöcher innen in der Bonsaischale mit einem Abdeckgitter und fixiert es am besten mit Aluminium-Bonsaidraht.

Die Abdeckgitter verhindern, das unser Substrat durch die Drainagelöcher herausfällt. Außerdem werden so manche Schädlinge am Eindringen in die Bonsaischale gehindert.

Eine ausführliche Anleitung zum Anbringen der Gitter finden sie unter:   Abdeckgegitter befestigen

6. Altes Bonsaisubstrat entfernen

Nachdem der Bonsai aus der Schale befreit ist wird das alte Bonsaisubstrat entfernt. Dabei sollte man bei Nadelbäumen viel vorsichtiger und einfühlsamer vorgehen als bei Laubbäumen. Wir beschreiben hier das Vorgehen bei einem wurzelstarken Laubbaum, der die Bonsaierde stark durchwurzelt hat.

Am besten man beginnt zuerst den Wurzelansatz mit einer Handbürste von Moos und Unkraut zu säubern. Dadurch kann man besser die Oberflächenwurzeln sehen und einschätzen, wie sich die Wurzeln im sichtbaren Bereich entwickelt haben.

Danach wird mit einem Wurzelhaken oder einer Wurzelkralle der Wurzelballen vorsichtig auseinandergezogen. Ein Haken eignet sich besonders gut wenn der Ballen sehr verfestigt ist.

Wenn der Bonsai längere Zeit nicht umgetopft wurde ist es sehr schwer durch die sich außen am Wurzelballen befindliche Wurzelmasse durchzukommen. In diesem Fall kann man mit einer Wurzelzange die äußeren 2-3cm der Wurzelschicht abschneiden. In ganz hartnäckigen Fällen setzen wir eine Säge ein und sägen die äußere Wurzelschicht ab. Hierbei sollte man sehr vorsichtig vorgehen. Manchmal liegt der Ursprung eines großen Teil des Ballens in einer dicken Wurzel. Zerschneidet man die kann es passieren, das dieser Teil des Ballens komplett verloren geht. Manchmal ist dies gewünscht, oft jedoch nicht.

Sobald die äußere Schicht der Wurzeln entfernt ist kann man meist aus dem inneren Teil des Ballens die alte Bonsaierde gut mit der Wurzelkralle herausharken.

Wieviel altes Substrat man entfernen sollte ist schwer zu beantworten. Bei wurzelstarken, gesunden Bäumen (z.B. Bonsai der Chinesischen Ulme, Dreispitzahorn) kann man in vielen Fällen die alte Erde komplett entfernen. Ist der Ballen sehr verfestigt ist es oft sinnvoll nur einen Teil zu entfernen und in 1-2 Jahren nochmal umzutopfen um den Rest auszuharken. Hier ist es wirklich wichtig die Wuchskraft des Baumes richtig einzuschätzen. Ziel sollte aber sein das die alte Erde nach 2-3 Umtopfaktionen komplett ausgetauscht ist.

Oft wird geraten den Wurzelballen mit einem Wasserstrahl auszuwaschen. Das ist eine sehr harte Maßnahme. Dabei verliert der Bonsai alle kleinen Wurzelhärchen und seine Mykorrhiza. Deshalb verzichten wir darauf, vor allem bei Nadelbäumen wie Kiefern und Lärchen. Oft reicht es in hartnäckigen Fällen den Wurzelballen für ein paar Minuten in Wasser zu stellen. Danach lässt er sich oft besser aufreißen.

Sobald das Substrat teilweise oder ganz entfernt ist sollte man schnell weiterarbeiten das jetzt die verbliebenen Wurzelhärchen schnell vertrocknen. Am besten man topft in einem geschlossenen Raum mit hoher Luftfeuchte (z.B. Gewächshaus, Folienzelt) um. Regelmäßiges Besprühen des Wurzelballen ist ab jetzt sehr hilfreich gegen Austrocknen.

7. Wurzelschnitt

Ist das Substrat ganz oder teilweise entfernt kann man entscheiden, ob Wurzeln (oder noch mehr Wurzeln) entfernt werden sollen. Oft kommt dabei die Frage auf wie der Baum nach einem starken Wurzelschnitt überhaupt noch weiterwachsen kann. Wichtig ist wie so oft im Leben: Es kommt nicht auf die Menge an, sondern vielmehr auf die Effizienz. Die starken Wurzeln braucht ein Bonsai für seine Standfestigkeit nicht. Wichtig ist, das viele kleine Wurzeln für die Nährstoffaufnahme vorhanden sind. So können Bonsai dann mehrere Hundert Jahre in einer Bonsaischale gut gedeihen.

Ein Wurzelschnitt ist bei wuchskräftigen Bäumen meist nötig. Bei vielen Nadelbaumarten (z.B. Wacholderbonsai, besonders vom Gemeinen Wacholder, Mädchenkiefern) sollte man damit sehr zurückhaltend sein und erst einmal Erfahrungen sammeln. Im Zweifel sollte man etwas weniger entfernen und sich die Entwicklung des Baumes anschauen. Gedeiht er gut kann man evtl. den nächsten Umtopftermin etwas vorziehen.

Ein Wurzelschnitt wird vor allem durchgeführt um wieder Platz in der Bonsaischale für neues Substrat zu schaffen und den Baum zu zwingen, viele neue, kleine Wurzeln zur Versorgung des Baumes zu bilden. Die starken Wurzeln werden für die Standfestigkeit eines Bonsai nicht benötigt. Wichtig sind vor allem viele feine Wurzeln mit den wichtigen Wurzelhaaren. Diese befinden sich aber nur an den Enden feiner Wurzeln. Oft sind es Hunderte pro Quadratmillimeter.

Oft ist es wichtig einen Wurzelschnitt an den oberflächlich sichtbaren Wurzeln des Stammansatzes durchzuführen. Dabei werden ästhetischen störende Wurzeln (z.B. überkreuzte Wurzeln, starke, auf den Betrachter zuwachsende Wurzeln) entfernt.

Für den Wurzelschnitt sollte man auf jeden Fall eine separate Bonsaischere oder Bonsaizange benutzen. Durch kleine Steinchen im Substrat nutzen sich diese Werkzeuge schnell ab. Sie sind dann zum Schneiden des Bonsai im Kronenbereich meist nicht mehr geeignet.

8. Positionierung

Jetzt geht es an das Eintopfen. Zuerst wird der Draht zum Fixieren des Wurzelballens durch die Drahtlöcher im Boden der Schale gesteckt. Sind keine Drahtlöcher vorhanden kann man den Draht auch durch die Drainagelöcher stecken.

Danach bringt man eine flache Schicht des neuen Substrats in die Schale ein und stellt den Bonsai in der gewünschten Position auf diese Schicht. Da das Thema der Positionierung sehr komplex ist möchte ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen. Es würde den Rahmen sprengen. In vielen Fällen wird aber an der Stellung des Baumes nicht viel geändert. Wenn ihnen der Bonsai vorher gefallen hat können sie ihn gern wieder so eintopfen. Auf jeden Fall sollte sich aber die Baumspitze in die Richtig auf den Betrachter zu neigen. Meist wird ein Bonsai auch leicht außerhalb der Mitte gepflanzt. Vor allem beim geneigten Bonsaistil in ovalen und rechteckigen Bonsaischalen.

Ist der Baum wie gewünscht positioniert wird er mit einer Hand festgehalten und mit der anderen Hand wird so viel Substrat aufgefüllt bis er ohne festzuhalten allein stehen bleibt. Das Substrat kann jetzt schon etwas mit einem Holzstäbchen zwischen die Wurzeln eingearbeitet werden

9. Fixierung

Die Fixierung des Bonsai in der Schale mit Draht ist sehr wichtig. Das neue Substrat ist über mehrere Monate noch sehr locker. Wird der Baum nicht mit Draht ordentlich fixiert wächst er durch häufige Bewegungen des Stammes (z.B. beim Tragen, beim Schneiden oder beim Gießen des Bonsai) sehr schlecht an. Und selbst wenn der Bonsai gut angewachsen ist hat die Fixierung mit Bonsaidraht einen großen Vorteil: Hebt man später den Bonsai gedankenlos am Stamm hoch fällt die Schale nicht runter und geht kaputt.

Zur Fixierung wird der vorher durch die Drahtlöcher gesteckte Aluminiumdraht um den Ballen gebogen und mit einer Jinzange oder Kombizange durch drehen so verkürzt das er eng am Ballen anliegt. Die überstehenden Drahtenden können eingekürzt werden.

Am besten benutzt man zur Befestigung des Wurzelballens Aluminiumdraht mit einer Dicke von mindestens 1.5mm. Besser ist 2mm, für große Bonsai auch 2.5mm. Ist der Draht zu dünn reißt er leicht beim Festziehen.

Die Stelle, wo er um den Ballen bzw. die Wurzeln gebogen wird sollte so gewählt werden das er nach Auffüllen des fehlendes Bonsaisubstrats nicht mehr zu sehen ist. Benutzt man nur einen Draht sollte es möglichst hinter dem Stamm um die Wurzeln gelegt werden.

Der Fixierdraht bleibt bis zum nächsten Umtopfen in der Schale. Es stört den Baum im Normalfall nicht.

10. Substrat auffüllen

Jetzt können wir die noch fehlende, neue Bonsaierde bis zur Oberkante der Bonsaischale auffüllen und sorgfältig mit einem Stäbchen zwischen die Wurzeln einarbeiten und oberflächlich gut festdrücken. Das Substrat am Rande der Bonsaischale sollte etwas tiefer als der Schalenrand festgedrückt werden damit beim Wässern später die neue Bonsaierde nicht aus der Schale geschwemmt wird bzw. das Gießwasser dort bleibt wo es hin soll - in der Schale.

Ist das Substrat sehr grob kann man evtl. eine dünne Abdeckschicht (max. 1cm) aus feinerem Material aufbringen. Dann wächst der Unterwuchs unter dem Bonsai besser an. Aber: Beim 1. Angießen wird ein Teil dieser Abdeckschicht in unsere so wichtigen Poren geschwemmt. Das kann man vermeiden indem man die ersten Male den Bonsai vorsichtig bis zum Schalenrand taucht.

11. Wässern

Sobald der Bonsai getopft ist sollte er gründlich bewässert werden. Dabei sollte man vorsichtig angießen sonst wird die neue Bonsaierde aus der Schale gespült. Hier eignet sich eine Gießkanne mit einem feinen Gießkopf sehr gut. Auch eine Ballbrause eignet sich bestens oder man taucht den Bonsai. Beim Tauchen von frisch in Kanuma getopften Bonsai muss man aufpassen, dass das Kanuma nicht wegschwimmt. Es ist sehr leicht. Ebenso, wenn man viel Bimskies zugefügt hat.

Es sollte solange gewässert werden bis das Wasser unten aus der Schale wieder austritt. Falls das neue Substrat in der Schale dabei etwas zusammensackt kann man sofort noch etwas Substrat nachfüllen.

12. Nachsorge

Stellen sie nach dem Topfen den Bonsai an einen windgeschützten Platz mit möglichst hoher Luftfeuchte. Gegossen wird in den nächsten Wochen nur wenn die Substratoberfläche deutlich angetrocknet ist. Es müssen sich erst neue Wurzelhärchen bilden. Ohne Wurzelhärchen kann der Bonsai ohnehin das Wasser nicht aufnehmen. Wenn zu viel gegossen wird kühlt man ständig den Wurzelballen ab. Das verlangsamt die Wurzelneubildung deutlich. Also - nach dem Topfen sehr sparsam wässern.

Auch ein ständiges Besprühen des neu getopften Bonsai ist nicht ratsam. Wenn sie keine professionelle Vernebelungsanlage haben sind die Tröpfchen viel zu groß und kühlen den Wurzelballen wie beim Gießen ständig ab. Eine hohe Luftfeuchte wie in einem Gewächshaus ist gut, ständiges Benässen ist nicht zu empfehlen.

Ebenso ist ein schattiges Aufstellen meist nicht zu empfehlen. Wenn zur richtigen Jahreszeit im Frühjahr umgetopft wird ist die Sonne noch nicht allzu heiß. Die Sonne erwärmt die Schale nur wenig und das ist in dieser Situation sogar gewünscht. So bilden sich neue Wurzeln schneller. Außerdem haben viele Bonsai beim Topfen noch keine Blätter und verdunsten so wenig. Ein Sonnenschutz ist hier nicht angebracht. Wir stellen in unserer Bonsaischule alle frisch getopften Bonsai im Gewächshaus möglichst sonnig.

Die ersten 1-2 Monate sollten sie auch komplett auf das Düngen der Bonsai verzichten. Ohne Wurzelhärchen kann der Baum den Dünger nicht aufnehmen. Außerdem müssen die Bäume meist erst einmal austreiben bevor sie mit dem Dünger etwas anfangen können. Düngen sie die Bonsai erst wenn sie deutlich ausgetrieben sind.


Bonsai umtopfen - Beispiele