Bonsaischule Wenddorf Logo

Bonsaischule Wenddorf

Produktion • Import • Export • Grosshandel • Einzelhandel von Bonsai und Zubehör

Warenkorb 0 Artikel
0,00 EUR

Was ist Bonsai ? Was ist ein Bonsai ? Gedanken von Uwe Friedrichs

Autor: Uwe Friedrichs

Zur Person: Jahrgang 1964, Mitbegründer des Bonsaiarbeitskreises Lübeck. Er beschäftigt sich seit 1994 intensiv mit Bonsai.

Das Interesse für Bonsai wurde 1985 durch seine Frau geweckt. Zum Ausbruch kam die Bonsaibegeisterung 1994 nach einem Workshop mit Bernward Wagner in Bremen. Die in Bremen geweckte Begeisterung war die Geburtsstunde des Bonsai Arbeitskreises Lübeck.

Bonsai ist ein schönes Hobby. Man hat mit der Natur zu tun, lernt nette Menschen kennen, und hat immer wieder die Gelegenheit über sein Hobby zu sprechen. Der Umgang mit den Bäumen wirft aber auch manche Frage auf, die man für sich klären muß. Neben den gärtnerischen und den gestalterischen Fragen, die einer Antwort bedürfen, gibt es auch einige persönliche Fragen, die ich mir beantworten muss.

Was will ich mit dem Hobby Bonsai? Diese Frage scheint vordergründig recht einfach zu sein. Denkt man aber ein wenig länger darüber nach wird es schon umfangreicher. Zwangsläufig kommt dann die Frage " Was ist Bonsai?". Und nun wird es richtig interessant.

Befragt man 10 Leute, so bekommt man 10 verschiedene Antworten. Das liegt nicht daran, dass es keinen "Bonsaistandard" gibt, nein Vorgaben haben wir in ausreichender Zahl. Es liegt auch nicht daran, dass es keine Spezialisten für Bonsai gibt, auch die haben wir in ausreichender Anzahl. Unsere Spezialisten geben sich auch alle erdenkliche Mühe ihr Wissen weiter zu geben. Nein, der Rest der Bonsai Nation ist nicht begriffsstutzig oder nur Ignoranten. Bonsai hat eben etwas persönliches. Ich will gar nicht den Versuch machen Bonsai mit anderen Künsten zu vergleichen, jeder hat beim Bonsai eben seine persönliche Note.

Während es für den einen ein hundertjähriges Rohmaterial sein muss, um einen guten Bonsai zu gestalten, gibt es einige, die den Weg aus Samen bevorzugen. Was ist denn aber jetzt Bonsai ?

Der Weg vom Keim an ? Aus Baumschulmaterial, oder gar aus gesammelten Bäumen, die schon ein Jahrhundert in extremen Regionen stehen? Sie sehen es gibt mehr als nur eine Möglichkeit.

Ich möchte hier an dieser Stelle auch nicht auf fernöstliche Lehren eingehen, denn zum einen sind sie nicht allen bekannt, zum anderen kann man Bonsai auch ohne sie betreiben. Wenn ich von mir ausgehe, dann ist das alles nicht so schwer. Bonsai ist einfach, weil natürlich.

Damit ist die Frage " Was ist Bonsai ?" noch nicht beantwortet.

Bonsai nach meinem Verständnis teilt sich in zwei Bereiche, den Baum, und den Gestalter.

Der Baum nimmt eine Symbolstellung für eine Idee, einen Eindruck oder einen Wunsch des Gestalters ein. Er ist der Ausdruck eines bestimmten Gefühls, das der Gestalter ausdrücken und mitteilen möchte. Wird der Baum in Einklang mit seinen Möglichkeiten gestaltet, man spricht hier davon den Charakter des Baumes heraus zu arbeiten, findet er im allgemeinen reichlich Zustimmung bei den Betrachtern. Dies liegt daran, dass wir alle bestimmte Bilder im Kopf haben, nach denen wir Bäume identifizieren. Oftmals verbinden wir Erinnerungen oder Stimmungen mit diesen Bildern, was bei positiven Eindrücken, uns einen leichten Zugang zu einem Baum verschafft. Wir finden dann diesen Baum einfach toll. Diese Aussage, dein Baum sieht toll aus, Kinder sagen häufig auch; " Der sieht ja aus wie ein richtiger Baum" , ist das größte Kompliment was ich für einen Baum erhalten kann.

Jeder Baum, den ich gestalte ist aber auch ein Spiegel meiner Stimmung und meiner gestalterischen Fähigkeiten. Mit wachsender Erfahrung werden die Bäume perfekter, weil natürlicher. Von den wenigen japanischen Vorgaben, die ich für mich beanspruche um Bonsai zu gestalten, haben sich Natürlichkeit, Einfachheit und Bescheidenheit bei mir besonderen Stellenwert. Zur Natürlichkeit sei nur noch gesagt, man sollte die Hand des Gestalters nur erahnen, nicht im Vordergrund sehen. Was ist dann aber Einfachheit. Nun, alles was gestalterisch vom Charakter des Baumes ablenkt, kann man darunter verstehen. Wilde Schnitzereien, oder aber auch Arbeiten mit totem Holz an jungen Bäumen können darunter fallen. Die Rinde ist wie die Haut, sie verrät im gewissen Maße etwas über das Alter. Ein junger Baum mit sehr viel totem Holz wirkt einfach krank. Schauen wir uns eine jungen Menschen an, der z.B. gebückt an einem Stock gehen muss, wirkt dies genau so. Was wir dann empfinden wird mich nicht erfreuen, sondern zum Mitleid anregen. Fazit, einer 12 jährigen Kiefer kann man nicht glaubhaft hundertzwanzig Jahre Lebenserfahrung angestalten. Mache ich es nicht, dann kann man von Bescheidennheit reden, denn der Baum mit seinen Möglichkeiten Lebensgeschichte zu erzählen steht für mich im Vordergrund, und nicht mein gestalterisches Repertoire.

Jetzt haben sie sicher den Eindruck, dass für mich Kimura, Notter und andere keine Bonsai gestalten. Dem ist nicht so. Bonsai hat was persönliches. Keiner von uns Gestaltern wird meiner Einschätzung nach die Bonsaiweisheit mit Löffeln gegessen haben. Deshalb achten wir einander und betreiben Bonsai in sovielen Facetten, die es immer mehr Menschen ermöglichen sich mit Bonsai auf ihre Weise auseinander zu setzen. Bonsai hat nun mal so viele Gesichter, dass jeder auf seine Weise Bonsai betreibt. Die jungen Leute mit ihren meist ebenso jungen Bäumen, genauso wie die Profies, die mit gutem und altem Material arbeiten. Mit Bonsai kann man also all die Bemühungen umschreiben, einem Baum zu helfen in einem verkleinerten Format seine natürliche Schönheit zu entfalten.

War diese Seite hilfreich ? Teile sie mit Freunden:   Facebook   Google

Bonsai Lexikon
Bonsai
Bonsaischalen
Bonsaizubehör