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Horst Krekeler - Der Apfelbaum (Malus) als Bonsai - Kap.4: Schneiden

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Kap.4: Apfelbaum (Malus) - Aufbauschnitt, Erhaltungsschnitt, Sommerschnitt, Blattschnitt

Der Schnitt der Fruchtgehölze:

Mit dem Schnitt wollen wir bei den Fruchtgehölzen verschiedene Dinge erreichen. Einmal wollen wir erreichen, dass der Baum die von uns gewünschte Form annimmt, zweitens wollen wir den Baum, der seine Grösse und Form schon erreicht hat, so erhalten und drittens soll der Baum durch das gezielte Schneiden dazu gebracht werden, möglichst viele Kurz- und Fruchttriebe zu bringen.

Der Aufbauschnitt:

Beginnen wir am besten mit den Jungpflanzen und den älteren gesammelten Pflanzen. Diese Pflanzen haben ja noch keine Form, so wie wir sie uns wünschen. Hier hat der Schnitt nun zunächst die Aufgabe, die Pflanzen im Holz und in der Form aufzubauen.

Bei dem Sämling wird die Jungpflanze im ersten Jahr noch nicht geschnitten, damit der Stamm möglichst kräftig wird.

Bei den Stecklingen, den abgemoosten Pflanzen und den Veredlungen können wir Mitte Sommer schon zum ersten Mal die Spitzen herausnehmen. Hier ist auch in der weiteren Behandlung kein Unterschied.

Beim Sämling pinzieren wir die Spitzen erst im zweiten Jahr. Kurz nach dem Pinzieren wird die Pflanze bald danach wieder austreiben. Diesen neuen Trieb lassen wir wachsen, bis er 4 oder 5 Blätter hat, dann schneiden wir wieder auf ein bis drei Blätter zurück.

Wir müssen beim Schneiden darauf achten, dass das letzte Auge, das am Trieb stehenbleibt, in die Richtung zeigt, in die der neue Trieb wachsen soll. Auf diese Weise können wir allein durch sorgfältiges Schneiden die Äste in die gewünschte Richtung dirigieren. Das erspart uns sehr viel Arbeit beim Drahten.

Das Ziel in diesem Stadium ist es, möglichst viele Äste und Zweige zu bekommen. Auf Blüte und Frucht müssen wir jetzt noch zu Gunsten der Form verzichten. Bei den älteren, gesammelten Pflanzen müssen wir den Baum ebenso auf die Grundform anschneiden und somit auch meistens auf Blüte und Frucht verzichten.

Bei diesen Pflanzen geht es zunächst darum, den Stamm und die dicken Äste soweit einzukürzen, dass die Pflanze überhaupt erst einmal Bonsaiformat annimmt. Zu beachten ist dabei, dass wir solche Pflanzen nicht nur soweit zurückschneiden müssen, wie wir uns den zukünftigen Bonsai vorstellen, sondern wir müssen sie noch wesentlich weiter zurücknehmen. Oft wird es so sein, dass von starken Seitenzweigen nur noch 5-10 cm lange Aststummel stehenbleiben.

Das sieht zunächst sehr brutal aus. Alle die hier besprochenen Obstgehölze treiben jedoch recht gut aus diesen Aststummeln oder aus dem Stamm wieder aus. Erst mit diesem neuen Austrieb können wir wieder eine neue Krone aufbauen. Am besten ist es, diese Pflanzen nach dem Grundschnitt für ein bis zwei Jahre in den freien Boden auszupflanzen und ohne Rückschnitt treiben zu lassen.

Danach schneiden wir auch den neuen Austrieb stark bis in das zweijährige Holz zurück, um auf diese Weise eine gute Verzweigung vom Stamm her zu erzielen. Nach diesem Rückschnitt könnte dann die Pflanze schon eine bonsaiähnliche Form annehmen.

Der Erhaltungsschnitt:

Wenn die Pflanzen Form angenommen haben, dann geht es darum, die Form abzurunden und zu erhalten.

In diesem Schnittstadium werden wir bemüht sein, einzelne Astpartien und auch die Krone insgesamt so zu erhalten, wie sie sind.

Schneiden wir beim Aufbauschnitt alle Triebe und Äste stark an, um einen möglichst zahlreichen und kräftigen Durchtrieb zu erreichen, so gehen wir beim Erhaltungsschnitt wesentlich behutsamer vor. Hier schneiden wir im Winter, wenn der Baum ohne Blätter dasteht, zunächst einmal alle Wasserschosse heraus, die nach innen in die Krone gewachsen sind. Ebenso werden alle Triebe, die auf der Unterseite der Äste wachsen, ganz entfernt. Es sollten keine Stümpfe stehenbleiben, sondern der Schnitt sollte am besten mit einer Konkavzange so hart am Ast erfolgen, dass noch ein klein wenig von der Rinde am Ast mit weggeschnitten wird. Auf diese Weise entfernen wir auch die "schlafenden Augen" am Hauptast. So können wir sicher sein, dass wir an dieser Stelle keine Triebe mehr bekommen.

Äste, die bereits verzweigt sind, werden beim Erhaltungsschnitt nicht einfach gekappt, wie wir das bei Aufbauschnitten machen würden, sondern wir werden versuchen, diese Äste soweit zurückzuschneiden, dass am Ende des zurückgeschnittenen Astes noch ein schwächerer Seitenast stehen bleibt. In der Fachsprache nennen wir das "Absetzen auf einen schwächeren Ast". Diesen schwächeren Ast schneiden wir nach Möglichkeit nicht an, denn wenn wir ihm die Spitzenknospe nehmen, wird er stark wieder durchtreiben. Das wäre genau das, was wir nicht wollen. Wenn wir aber die Spitzenknospe belassen, so wird der Seitenast Kurztriebe bringen, die wir zur Ausformung benötigen.

Müssen wir jedoch einen Ast verlängern, weil er für das Gesamtbild zu kurz oder zu schwach ist, so schneiden wir die Spitze des Astes an. Nach dem Entfernen der Spitzenknospe wird dieser Ast stark durchtreiben. Diesen neuen Austrieb lassen wir so lange wachsen, bis er in der Basis für unsere Zwecke stark genug ist. Dann erst schneiden wir ihn zurück. Auf diese Weise können wir die Krone ganz gezielt ausbalancieren.

Die beste Zeit für diese Schnittarbeiten ist gegen Ende des Winters kurz vor dem Beginn des Austriebes.

Der Sommerschnitt:

Nach der Blüte im Frühjahr beginnen Apfel, Aprikose und Pfirsich mit dem Triebwachstum. Die Bäume verlieren jetzt sehr rasch an Form und man ist immer wieder versucht, die langen Triebe zu schneiden.

Malus micromalus - Jungpflanze in BlüteWenn wir jedoch Wert legen auf neue Blüten im nächsten Jahr, dann sollten wir uns mit der Schere zurückhalten. Wir müssen diese Bäume jetzt vorübergehend als Bonsai vergessen, denn die Blütenbildung für das nächste Jahr ist mit Sicherheit erst etwa Mitte Juli abgeschlossen und so lange sollten wir mit dem Schnitt warten. Wenn die neuen Triebe ihre Spitzenknospen gesetzt haben und nicht weiter durchtreiben, dann ist der günstigste Zeitpunkt gekommen, sie auf die gewünschte Länge zurückzuschneiden. Danach werden die Pflanzen noch einmal durchtreiben, doch dieser Trieb wird nicht mehr so stark werden und er bleibt ungeschnitten.

Schneiden wir zu früh im Sommer, werden die Pflanzen immer wieder stark "ins Holz treiben" und die Blütenbildung bleibt stecken. Erst im Herbst, wenn bei den Äpfeln die Früchte ausgereift sind und die Blätter anfangen sich zu färben, können wir die Pflanzen auf ihre endgültige Form zurückschneiden. Hiernach sind Form und Früchte wieder gut zu erkennen.

Blattschnitt:

Der Blattschnitt, den wir von anderen Gehölzen wie Ahorn, Hainbuche usw. her kennen, bringt bei diesen Gehölzen kaum die gewünschte Wirkung. Bei Äpfeln gibt es eine Möglichkeit, durch einen kompletten zweiten Austrieb die Blätter zu verkleinern. Diese Möglichkeit sollte jedoch nur von denen genutzt werden, die sich ganz sicher sind, dass sie erkennen können, wann eine Pflanze nach einer Trockenperiode wieder Wasser benötigt.

Zunächst warten wir mit dem Blattschnitt solange, bis die Früchte annähernd ihre endgültige Grösse erreicht haben. Das dürfte etwa Mitte Juli der Fall sein. Dann ist auch das Laub einigermassen ausgereift. Jetzt entziehen wir der Pflanze das Wasser, das heisst wir giessen solange nicht mehr, bis die Blätter anfangen zu welken und die Früchte anfangen weich und runzlig zu werden. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, alle Blätter abzuschneiden. Die Blattstiele bleiben jedoch an der Pflanze hängen.

Jetzt nach dem Blattschnitt bekommt die Pflanze wieder ein klein wenig Wasser. Auf keinen Fall geben wir die volle Ration. Jeden Tag geben wir nun etwas mehr Wasser, bis wir nach etwa einer Woche auf die volle Ration kommen. Nach etwa zwei Wochen wird die Pflanze wieder treiben, doch bringt sie in der Regel jetzt nur Kurztriebe mit kleinen Blättern.

Auch die Früchte werden wieder prall. Ein solcher Eingriff ist für die Pflanze eine harte Rosskur und man sollte sich überlegen, ob man diese Gratwanderung unternehmen sollte, denn nur zu leicht werden aus Apfel-Bonsai Strohblumen.


Weiterlesen >>> Kap.5: Apfelbaum Bonsai (Malus) - Gestalten, Umtopfen, Düngung


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