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Horst Krekeler - Der Apfelbaum (Malus) als Bonsai - Kap.3: Gewinnung von Jungpflanzen

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Kap.3: Apfelbaum (Malus) - Gewinnung von Jungpflanzen für die Bonsaigestaltung

Apfelbaum Bonsai-Jungpflanzen - Gewinnung durch Aussaat:

Die Gewinnung von Apfelbaum Jungpflanzen durch Aussaat ist möglich, jedoch für die Bonsaigestaltung nicht ganz unproblematisch, da die aus Samen gezogenen Apfeljungpflanzen nie echt ausfallen. Es wird immer ein Sortengemisch geben, also Pflanzen mit verschiedenen Eigenschaften.

Wer es dennoch versuchen möchte, der lagert am besten die Früchte, deren Kerne er gewinnen möchte, bis zum Frühjahr möglichst kalt aber frostfrei, so dass sie nicht faulen.

Im Februar/März nimmt man dann die Kerne aus den Kerngehäusen und sät sie sofort aus. Das kann im Freiland oder besser im Saatgefäss sein. Ausgesät wird in feinkrümelige Erde, in der die Kerne nicht zu dicht liegen sollten. Am besten legt man sie im Abstand von 4-5 cm aus. Bei zu dichter Aussaat würden sich sonst schon die jungen Sämlinge gegenseitig bedrängen, da sie doch relativ grosse Blätter bekommen. Nach dem Auslegen der Kerne werden diese etwa 1 cm dick mit gewaschenem Sand abgedeckt und gut angegossen. Danach werden die Saatschalen im Freien aufgestellt und vor Vogel- und Mäusefrass gesichert.

Die Keimung erfolgt dann bei warmer Witterung normalerweise schon Mitte bis Ende März.

Wenn die Sämlinge 3-4 Blätter haben, sollten wir zwei- oder dreimal leicht flüssig düngen (Bonsai-Dünger, Guano flüssig oder andere), damit sie möglichst kräftig anwachsen. Etwa Mitte Juli können wir dann die stärksten Sämlinge schon einzeln in kleine Töpfe pikieren (etwa 7x7 cm).

Die schwachen Sämlinge bleiben noch bis zum nächsten Frühjahr im Saatgefäss, damit sie über Sommer ungestört weiterwachsen können. Sie werden erst im darauffolgenden Frühjahr eingetopft.

Apfelbaum Bonsai-Jungpflanzen - Gewinnung durch Stecklinge:

Die Stecklingsvermehrung ist für uns eine der geeignetsten Vermehrungsarten, weil Stecklinge in der Regel schöne Wurzelhälse und gute Wurzelformationen bringen.

Gesteckt wird ca. Mitte Juni. Der Steckling sollte halbhart sein. Der Trieb muss also in der Spitze noch weich und in der Basis schon leicht verholzt sein. Beim Zuschneiden der Stecklinge wird die weiche Spitze mit der Terminalknospe entfernt und ebenfalls die zu stark verholzte Basis. Auf diese Weise bleibt der halbharte Steckling mit 3-5 Blättern übrig.

Von diesem Steckling werden die unteren 1-2 Blätter entfernt, da sie sonst im Boden faulen würden. Gesteckt wird in ein Gemisch von Torf und gewaschenem Sand zu etwa gleichen Teilen. Um die Wurzelbildung zu fördern, können wir zusätzlich Bewurzelungshormone einsetzen. Vorsicht aber bei der Verwendung solcher Mittel ! Die Temperaturen sollten dann nicht wesentlich über 18-20 Grad Celsius steigen, da es sonst leicht Verbrennungen geben könnte.

Die Stecklingsgefässe werden mit einer Glasscheibe oder mit leichter Folie so abgedeckt, dass die Spitzen der Stecklinge möglichst dicht an Glas oder an der Folie sind, diese aber nicht berühren.

Aufgestellt wird das Gefäss im Halbschatten. Wichtig ist gleichmässige Feuchtigkeit im Substrat und ausserdem auch noch hohe Luftfeuchtigkeit.

Faulende Blätter sofort herausnehmen! Nach etwa vier Wochen ist die Wurzelbildung dann in vollem Gange. Wenn die Wurzeln kräftig genug sind und der neue Trieb einsetzt wird zunächst langsam angelüftet und nach und nach ganz abgedeckt. Die weitere Behandlung erfolgt dann genauso wie beim Sämling.

Apfelbaum Bonsai-Jungpflanzen - Gewinnung durch Abmoosen:

Das Abmoosen ist eine Art der Pflanzengewinnung bei der wir gleich zu stärkeren und gut verzweigten Pflanzen kommen. Der beste Zeitpunkt zum Abmoosen ist etwa Mitte März, wenn der Frost vorbei ist und die Bäume schon im Saft stehen.

Um den gewünschten Zweig zur Bewurzelung zu bringen, lösen wir an der Stelle, an der wir später die Wurzeln haben möchten, mit einem scharfen Messer von unten her an zwei oder vier Seiten eine schmale Rindenzunge bis ins Holz. Diese Rindenzungen sollten etwa zwei bis drei Zentimeter lang sein. Unter diese Rindenzungen stopfen wir etwas Sphagnum-Moos, damit sie später nicht wieder anwachsen können.

Anschliessend packen wir die so präparierte Stelle dick mit Torfmoos ein und umhüllen dieses Moosknäuel mit einer dünnen Plastikfolie, deren oberes und unteres Ende mit einem wetterfesten Klebstreifen wasserdicht verschlossen wird.

In der Regel können wir bei Apfel, Birne, Aprikose und Pfirsich die bewurzelten Zweige im Herbst zum Eintopfen abnehmen. Über Winter sollten wir diese dann aber vor Frost geschützt aufstellen. Die Weiterkultur verläuft dann wie beim Steckling.

Apfelbaum Bonsai-Jungpflanzen - Gewinnung durch Veredelung:

Die gebräuchlichste Vermehrungsart für Apfel, Aprikose und Pfirsich ist in den Baumschulen die Veredlung durch Okulation.

Bei dieser Veredlungsart wird ein ausgereiftes Auge mit einem Rindenschildchen der gewünschten Sorte unter die Rinde eines Wildlings geschoben und dann mit Bast oder Veredlungsgummi fest verbunden.

Die beste Veredlungszeit liegt etwa zwischen Anfang Juni und Mitte Juli. Wichtig ist dabei, dass die Wildlinge voll im Saft stehen. Über Sommer wachsen dann die Augen unter der Rinde des Wildlings an. Sie treiben normalerweise nicht aus, sondern sie überwintern in der Rinde des Wildlings. Im folgenden Frühjahr werden dann die Wildlinge etwa einen guten halben Zentimeter oberhalb der Veredlungsstelle abgeschnitten (abgeworfen), so dass nur der Wurzelhals mit dem angewachsenen Auge übrigbleibt.

Wer mit Bast verbunden hat, sollte diesen im gleichen Arbeitsgang auf der Rückseite der Veredlung mit einem scharfen Messer durchschneiden und lösen, damit er nicht einwächst. Wer mit Veredlungsgummi verbunden hat, der kann sich diese Arbeit sparen, da das Gummi spröde wird und abfällt.

Im Frühjahr treibt nun das eingesetzte Auge normal aus und der neue Trieb kann in unserem Fall schon etwa Ende Juni/Anfang Juli zum ersten Mal pinziert werden, damit wir eine von Grund auf gute Verzweigung bekommen. Im Laufe des Sommers können wir noch ein- oder zweimal nachpinzieren. Vorsicht, wenn die Triebe zu lang werden, brechen sie leicht aus, da sie noch nicht so fest verwachsen sind.

Wenn dann im Herbst das Laub gefallen ist, können wir unsere einjährigen Veredlungen ausgraben und wie andere Jungpflanzen weiterkultivieren.

Da wir Pflanzen heranziehen wollen, die für Bonsai geeignet sind, sollten wir bedenken, dass die Veredlungsstelle immer als dicker Knoten im Stamm erkennbar ist. Deswegen sollten wir die Veredlungsstelle möglichst tief auf den Wurzelhals setzen, damit er später möglichst wenig stört.

Apfelbaum Bonsai-Jungpflanzen - Gewinnung durch Kauf und Sammeln:

Für Ungeduldige gibt es noch eine Möglichkeit, sich älteres und stärkeres Pflanzenmaterial zu besorgen. Da ist einmal die Möglichkeit, stärkere Pflanzen in der Baumschule zu kaufen oder aber die Augen offen zu halten, ob nicht irgendwo eine Spalierobstanlage gerodet wird. Diese alten Spalierobstbäume sind ein gutes Rohmaterial für unsere Zwecke.

Zu achten ist bei der Auswahl der Bäume darauf, dass die Pflanzen bis unten beastet sind. Sowohl Apfel, Aprikose wie Pfirsich vertragen einen starken Rückschnitt. Sie treiben danach recht gut wieder aus.

Nach dem Ausgraben und dem Rückschnitt wird es günstig sein, die Pflanzen noch einmal ein Jahr daheim im Garten einzupflanzen, damit sie sich möglichst gut erholen können. Danach können wir sie dann eintopfen und formen.


Weiterlesen >>> Kap.4: Apfelbaum Bonsai (Malus) - Schneiden


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