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Apfelbaum Bonsai - Horst Krekeler

Allgemeines

Seit alters her ist der Apfel als Kulturpflanze bekannt und so ist es auch nicht verwunderlich, dass wir heute eine Unzahl von Sorten kennen, die auf der einen Seite rein auf Ertrag gezüchtet sind oder auf der anderen Seite rein als Zierform.

Für uns als Bonsailiebhaber werden die reinen Fruchtformen wohl kaum in Betracht kommen, denn stellen Sie sich einmal beispielsweise einen Bonsai von der Sorte "Golden Delicious" vor, in der Grösse von 20-30 cm. Stellen Sie sich weiter vor, Sie lassen diesen Apfelbaum Bonsai fruchten: Die Früchte würden bei einer normalen Ernährung der Pflanze einen Durchmesser von fast 10 cm erreichen. Wenn solch ein Baum auch nur 3 Früchte in dieser Grösse behält, so würde er entweder unter seiner Last zusammenbrechen oder aber mindestens mitsamt seiner Schale umfallen.

Aber dies alles wären vielleicht noch rein technische Probleme, die wir irgendwie lösen könnten. Was in unserem speziellen Falle aber viel schwerer wiegt und uns bei diesen Sorten grosse Schwierigkeiten bereitet, ist die Tatsache, dass wir in der Gestaltung nach ästhetischen Gesichtspunkten arbeiten. Bei einem Bonsai müssen alle Proportionen zusammenpassen. Bei einem Bonsai aus "Golden Delicious" kann man aber wohl kaum von harmonischen Proportionen zwischen Baum und Frucht sprechen.

Aus diesem Grunde weichen wir in der Bonsaigestaltung nach Möglichkeit auf die Wild- und Zierformen aus, weil diese in der Regel kleinere Früchte, Blüten und Blätter haben, als die reinen Ertragsgehölze, so dass der Bonsai an sich zu fast allen Jahreszeiten wesentlich harmonischer wirkt.

Wenn ich hier schreibe "zu allen Jahreszeiten", dann hat das seinen Grund. Von den Fruchtgehölzen, die in diesem Buch angesprochen sind, erwarten wir etwas von Natur aus Unmögliches.

Zunächst wollen wir eine möglichst gute Form des Baumes, dann wollen wir auch einen Blüten Bonsai und als drittes möchten wir die Frucht erhalten.

Bei der Gestaltung der Baumkrone müssen wir schneiden. Das Bonsai schneiden verhindert aber teilweise Blüten- und damit auch gleichzeitig Fruchtbildung.

Wollen wir aber Blüte und Frucht, so müssen wir den Baum solange ungehindert wachsen lassen, bis die Blütenbildung abgeschlossen ist, und erst dann können wir den Baum wieder in Form bringen. So kommt es, dass diese hier vorgestellten Fruchtgehölze ihre Saison haben, das heisst, es gibt Zeiten im Jahresablauf, während der man entzückt ist von ihnen und es gibt Zeiten, in denen man sie am liebsten gar nicht anschauen würde, weil sie vollkommen aus der Form geraten sind.

Auf die Einzelheiten werde ich im weiteren Verlauf noch eingehen. An dieser Stelle ist es mir aber wichtig, auf diesen Rhythmus hinzuweisen und dass wir ihn so akzeptieren, da wir sonst mit der Gestaltung dieser Frucht-Bonsai grosse Schwierigkeiten haben.

Standort, Vorkommen, Sorten

Die Apfelbaum (Malus) sind mit etwa 35 Arten in Europa, Asien und Nordamerika vertreten. Selbst in Nordamerika tauchen sie in Gebirgsregionen vereinzelt auf.

Ihre Standorte reichen hier in Europa von Meereshöhe bis hinauf zu 1100-1200 m Höhe im Gebirge. Einige Arten in Asien sind sogar bis 3000 m Höhe geklettert. Das nördlichste Vorkommen bei uns in Europa reicht etwa bis Mittelschweden.

In Europa sind etwa fünf Arten heimisch. Standort für die meisten Wildarten sind lockere Eichenbestände, Auen- und Mischwälder oder aber in unserer Kulturlandschaft in Windschutzhecken und Gebüschen. Meistens sind es aber leicht sonnige bis halbschattige Lagen mit hoher Luft- und Bodenfeuchtigkeit.

Bevorzugt werden tiefgründige, frische Lehm- oder Steinböden mit hohem Nährstoff- und Humusgehalt.

An den natürlichen Standorten bilden die Malusarten meistens nur grosse Sträucher, seltener kleinere bis zu 8-10 m hohe Bäume aus. Oft sind die kurzen Seitentriebe dornenartig ausgeformt.

Bei der grossen Vielzahl von Arten und Sorten, ist es in diesem Rahmen nur möglich auf einige wenige Sorten gezielt einzugehen. Alle anderen Sorten werden ähnlich behandelt, wie die hier angesprochenen Sorten. Ebenso verhält es sich mit den Pyrus- den Birnen-Arten.

Man schätzt allein die Kultursorten (Malus domesticus) auf etwa 2000. Hinzu kommen noch die aus Kreuzungen der Wildformen entstandenen Zierformen, deren Sortiment man auf etwa 500 bis 600 Sorten schätzt.

In diesem Rahmen werde ich mich beschränken auf die Zierformen, die Sie auch in den hiesigen Baumschulen bekommen können.

Gewinnung von Jungpflanzen

Aussaat

Die Gewinnung von Apfelbaum Jungpflanzen durch Baumsamen ist möglich, jedoch für die Bonsaigestaltung nicht ganz unproblematisch, da die aus Samen gezogenen Apfeljungpflanzen nie echt ausfallen. Es wird immer ein Sortengemisch geben, also Pflanzen mit verschiedenen Eigenschaften.

Wer es dennoch versuchen möchte, der lagert am besten die Früchte, deren Kerne er gewinnen möchte, bis zum Frühjahr möglichst kalt aber frostfrei, so dass sie nicht faulen.

Im Februar/März nimmt man dann die Kerne aus den Kerngehäusen und sät sie sofort aus. Das kann im Freiland oder besser im Saatgefäss sein. Ausgesät wird in feinkrümelige Erde, in der die Kerne nicht zu dicht liegen sollten. Am besten legt man sie im Abstand von 4-5 cm aus. Bei zu dichter Aussaat würden sich sonst schon die jungen Sämlinge gegenseitig bedrängen, da sie doch relativ grosse Blätter bekommen. Nach dem Auslegen der Kerne werden diese etwa 1 cm dick mit gewaschenem Sand abgedeckt und gut angegossen. Danach werden die Saatschalen im Freien aufgestellt und vor Vogel- und Mäusefrass gesichert.

Die Keimung erfolgt dann bei warmer Witterung normalerweise schon Mitte bis Ende März.

Wenn die Sämlinge 3-4 Blätter haben, sollten wir zwei- oder dreimal leicht flüssig düngen (Bonsaidünger, Guano flüssig oder andere), damit sie möglichst kräftig anwachsen. Etwa Mitte Juli können wir dann die stärksten Sämlinge schon einzeln in kleine Töpfe pikieren (etwa 7x7 cm).

Die schwachen Sämlinge bleiben noch bis zum nächsten Frühjahr im Saatgefäss, damit sie über Sommer ungestört weiterwachsen können. Sie werden erst im darauffolgenden Frühjahr eingetopft.

Stecklinge:

Die Stecklingsvermehrung ist für uns eine der geeignetsten Vermehrungsarten, weil Stecklinge in der Regel schöne Wurzelhälse und gute Wurzelformationen bringen.

Gesteckt wird ca. Mitte Juni. Der Steckling sollte halbhart sein. Der Trieb muss also in der Spitze noch weich und in der Basis schon leicht verholzt sein. Beim Zuschneiden der Stecklinge wird die weiche Spitze mit der Terminalknospe entfernt und ebenfalls die zu stark verholzte Basis. Auf diese Weise bleibt der halbharte Steckling mit 3-5 Blättern übrig.

Von diesem Steckling werden die unteren 1-2 Blätter entfernt, da sie sonst im Boden faulen würden. Gesteckt wird in ein Gemisch von Torf und gewaschenem Sand zu etwa gleichen Teilen. Um die Wurzelbildung zu fördern, können wir zusätzlich Bewurzelungshormone einsetzen. Vorsicht aber bei der Verwendung solcher Mittel ! Die Temperaturen sollten dann nicht wesentlich über 18-20 Grad Celsius steigen, da es sonst leicht Verbrennungen geben könnte.

Die Stecklingsgefässe werden mit einer Glasscheibe oder mit leichter Folie so abgedeckt, dass die Spitzen der Stecklinge möglichst dicht an Glas oder an der Folie sind, diese aber nicht berühren.

Aufgestellt wird das Gefäss im Halbschatten. Wichtig ist gleichmässige Feuchtigkeit im Substrat und ausserdem auch noch hohe Luftfeuchtigkeit.

Faulende Blätter sofort herausnehmen! Nach etwa vier Wochen ist die Wurzelbildung dann in vollem Gange. Wenn die Wurzeln kräftig genug sind und der neue Trieb einsetzt wird zunächst langsam angelüftet und nach und nach ganz abgedeckt. Die weitere Behandlung erfolgt dann genauso wie beim Sämling.

Abmoosen:

Das Abmoosen ist eine Art der Pflanzengewinnung bei der wir gleich zu stärkeren und gut verzweigten Pflanzen kommen. Der beste Zeitpunkt zum Abmoosen ist etwa Mitte März, wenn der Frost vorbei ist und die Bäume schon im Saft stehen.

Um den gewünschten Zweig zur Bewurzelung zu bringen, lösen wir an der Stelle, an der wir später die Wurzeln haben möchten, mit einem scharfen Messer von unten her an zwei oder vier Seiten eine schmale Rindenzunge bis ins Holz. Diese Rindenzungen sollten etwa zwei bis drei Zentimeter lang sein. Unter diese Rindenzungen stopfen wir etwas Sphagnum-Moos, damit sie später nicht wieder anwachsen können.

Anschliessend packen wir die so präparierte Stelle dick mit Torfmoos ein und umhüllen dieses Moosknäuel mit einer dünnen Plastikfolie, deren oberes und unteres Ende mit einem wetterfesten Klebstreifen wasserdicht verschlossen wird.

In der Regel können wir beim Apfelbaum, Birnen, Aprikosen und Pfirsichen die bewurzelten Zweige im Herbst zum Eintopfen abnehmen. Über Winter sollten wir diese dann aber vor Frost geschützt aufstellen. Die Weiterkultur verläuft dann wie beim Steckling.

Veredelung:

Die gebräuchlichste Vermehrungsart für Apfel, Aprikose und Pfirsich ist in den Baumschulen die Veredlung durch Okulation.

Bei dieser Veredlungsart wird ein ausgereiftes Auge mit einem Rindenschildchen der gewünschten Sorte unter die Rinde eines Wildlings geschoben und dann mit Bast oder Veredlungsgummi fest verbunden.

Die beste Veredlungszeit liegt etwa zwischen Anfang Juni und Mitte Juli. Wichtig ist dabei, dass die Wildlinge voll im Saft stehen. Über Sommer wachsen dann die Augen unter der Rinde des Wildlings an. Sie treiben normalerweise nicht aus, sondern sie überwintern in der Rinde des Wildlings. Im folgenden Frühjahr werden dann die Wildlinge etwa einen guten halben Zentimeter oberhalb der Veredlungsstelle abgeschnitten (abgeworfen), so dass nur der Wurzelhals mit dem angewachsenen Auge übrigbleibt.

Wer mit Bast verbunden hat, sollte diesen im gleichen Arbeitsgang auf der Rückseite der Veredlung mit einem scharfen Messer durchschneiden und lösen, damit er nicht einwächst. Wer mit Veredlungsgummi verbunden hat, der kann sich diese Arbeit sparen, da das Gummi spröde wird und abfällt.

Im Frühjahr treibt nun das eingesetzte Auge normal aus und der neue Trieb kann in unserem Fall schon etwa Ende Juni/Anfang Juli zum ersten Mal pinziert werden, damit wir eine von Grund auf gute Verzweigung bekommen. Im Laufe des Sommers können wir noch ein- oder zweimal nachpinzieren. Vorsicht, wenn die Triebe zu lang werden, brechen sie leicht aus, da sie noch nicht so fest verwachsen sind.

Wenn dann im Herbst das Laub gefallen ist, können wir unsere einjährigen Veredlungen ausgraben und wie andere Jungpflanzen weiterkultivieren.

Da wir Pflanzen heranziehen wollen, die für Bonsai geeignet sind, sollten wir bedenken, dass die Veredlungsstelle immer als dicker Knoten im Stamm erkennbar ist. Deswegen sollten wir die Veredlungsstelle möglichst tief auf den Wurzelhals setzen, damit er später möglichst wenig stört.

Kauf und Sammeln:

Für Ungeduldige gibt es noch eine Möglichkeit, sich älteres und stärkeres Pflanzenmaterial zu besorgen. Da ist einmal die Möglichkeit, stärkere Pflanzen in der Baumschule zu kaufen oder aber die Augen offen zu halten, ob nicht irgendwo eine Spalierobstanlage gerodet wird. Diese alten Spalierobstbäume sind ein gutes Rohmaterial für unsere Zwecke.

Zu achten ist bei der Auswahl der Bäume darauf, dass die Pflanzen bis unten beastet sind. Sowohl Apfel, Aprikose wie Pfirsich vertragen einen starken Rückschnitt. Sie treiben danach recht gut wieder aus.

Nach dem Ausgraben und dem Rückschnitt wird es günstig sein, die Pflanzen noch einmal ein Jahr daheim im Garten einzupflanzen, damit sie sich möglichst gut erholen können. Danach können wir sie dann eintopfen und formen.

Schneiden

Schnitt der Fruchtgehölze:

Mit dem Schnitt wollen wir bei den Fruchtgehölzen verschiedene Dinge erreichen. Einmal wollen wir erreichen, dass der Baum die von uns gewünschte Form annimmt, zweitens wollen wir den Baum, der seine Grösse und Form schon erreicht hat, so erhalten und drittens soll der Baum durch das gezielte Schneiden dazu gebracht werden, möglichst viele Kurz- und Fruchttriebe zu bringen.

Aufbauschnitt:

Beginnen wir am besten mit den Jungpflanzen und den älteren gesammelten Pflanzen. Diese Pflanzen haben ja noch keine Form, so wie wir sie uns wünschen. Hier hat der Schnitt nun zunächst die Aufgabe, die Pflanzen im Holz und in der Form aufzubauen.

Bei dem Sämling wird die Jungpflanze im ersten Jahr noch nicht geschnitten, damit der Stamm möglichst kräftig wird.

Bei den Stecklingen, den abgemoosten Pflanzen und den Veredlungen können wir Mitte Sommer schon zum ersten Mal die Spitzen herausnehmen. Hier ist auch in der weiteren Behandlung kein Unterschied.

Beim Sämling pinzieren wir die Spitzen erst im zweiten Jahr. Kurz nach dem Pinzieren wird die Pflanze bald danach wieder austreiben. Diesen neuen Trieb lassen wir wachsen, bis er 4 oder 5 Blätter hat, dann schneiden wir wieder auf ein bis drei Blätter zurück.

Wir müssen beim Schneiden darauf achten, dass das letzte Auge, das am Trieb stehenbleibt, in die Richtung zeigt, in die der neue Trieb wachsen soll. Auf diese Weise können wir allein durch sorgfältiges Schneiden die Äste in die gewünschte Richtung dirigieren. Das erspart uns sehr viel Arbeit beim Drahten.

Das Ziel in diesem Stadium ist es, möglichst viele Äste und Zweige zu bekommen. Auf Blüte und Frucht müssen wir jetzt noch zu Gunsten der Form verzichten. Bei den älteren, gesammelten Pflanzen müssen wir den Baum ebenso auf die Grundform anschneiden und somit auch meistens auf Blüte und Frucht verzichten.

Bei diesen Pflanzen geht es zunächst darum, den Stamm und die dicken Äste soweit einzukürzen, dass die Pflanze überhaupt erst einmal Bonsaiformat annimmt. Zu beachten ist dabei, dass wir solche Pflanzen nicht nur soweit zurückschneiden müssen, wie wir uns den zukünftigen Bonsai vorstellen, sondern wir müssen sie noch wesentlich weiter zurücknehmen. Oft wird es so sein, dass von starken Seitenzweigen nur noch 5-10 cm lange Aststummel stehenbleiben.

Das sieht zunächst sehr brutal aus. Alle die hier besprochenen Obstgehölze treiben jedoch recht gut aus diesen Aststummeln oder aus dem Stamm wieder aus. Erst mit diesem neuen Austrieb können wir wieder eine neue Krone aufbauen. Am besten ist es, diese Pflanzen nach dem Grundschnitt für ein bis zwei Jahre in den freien Boden auszupflanzen und ohne Rückschnitt treiben zu lassen.

Danach schneiden wir auch den neuen Austrieb stark bis in das zweijährige Holz zurück, um auf diese Weise eine gute Verzweigung vom Stamm her zu erzielen. Nach diesem Rückschnitt könnte dann die Pflanze schon eine bonsaiähnliche Form annehmen.

Erhaltungsschnitt:

Wenn die Pflanzen Form angenommen haben, dann geht es darum, die Form abzurunden und zu erhalten.

In diesem Schnittstadium werden wir bemüht sein, einzelne Astpartien und auch die Krone insgesamt so zu erhalten, wie sie sind.

Schneiden wir beim Aufbauschnitt alle Triebe und Äste stark an, um einen möglichst zahlreichen und kräftigen Durchtrieb zu erreichen, so gehen wir beim Erhaltungsschnitt wesentlich behutsamer vor. Hier schneiden wir im Winter, wenn der Baum ohne Blätter dasteht, zunächst einmal alle Wasserschosse heraus, die nach innen in die Krone gewachsen sind. Ebenso werden alle Triebe, die auf der Unterseite der Äste wachsen, ganz entfernt. Es sollten keine Stümpfe stehenbleiben, sondern der Schnitt sollte am besten mit einer Konkavzange so hart am Ast erfolgen, dass noch ein klein wenig von der Rinde am Ast mit weggeschnitten wird. Auf diese Weise entfernen wir auch die "schlafenden Augen" am Hauptast. So können wir sicher sein, dass wir an dieser Stelle keine Triebe mehr bekommen.

Äste, die bereits verzweigt sind, werden beim Erhaltungsschnitt nicht einfach gekappt, wie wir das bei Aufbauschnitten machen würden, sondern wir werden versuchen, diese Äste soweit zurückzuschneiden, dass am Ende des zurückgeschnittenen Astes noch ein schwächerer Seitenast stehen bleibt. In der Fachsprache nennen wir das "Absetzen auf einen schwächeren Ast". Diesen schwächeren Ast schneiden wir nach Möglichkeit nicht an, denn wenn wir ihm die Spitzenknospe nehmen, wird er stark wieder durchtreiben. Das wäre genau das, was wir nicht wollen. Wenn wir aber die Spitzenknospe belassen, so wird der Seitenast Kurztriebe bringen, die wir zur Ausformung benötigen.

Müssen wir jedoch einen Ast verlängern, weil er für das Gesamtbild zu kurz oder zu schwach ist, so schneiden wir die Spitze des Astes an. Nach dem Entfernen der Spitzenknospe wird dieser Ast stark durchtreiben. Diesen neuen Austrieb lassen wir so lange wachsen, bis er in der Basis für unsere Zwecke stark genug ist. Dann erst schneiden wir ihn zurück. Auf diese Weise können wir die Krone ganz gezielt ausbalancieren.

Die beste Zeit für diese Schnittarbeiten ist gegen Ende des Winters kurz vor dem Beginn des Austriebes.

Sommerschnitt:

Nach der Blüte im Frühjahr beginnen Apfel, Aprikose und Pfirsich mit dem Triebwachstum. Die Bäume verlieren jetzt sehr rasch an Form und man ist immer wieder versucht, die langen Triebe zu schneiden.

Malus micromalus - Jungpflanze in BlüteWenn wir jedoch Wert legen auf neue Blüten im nächsten Jahr, dann sollten wir uns mit der Schere zurückhalten. Wir müssen diese Bäume jetzt vorübergehend als Bonsai vergessen, denn die Blütenbildung für das nächste Jahr ist mit Sicherheit erst etwa Mitte Juli abgeschlossen und so lange sollten wir mit dem Schnitt warten. Wenn die neuen Triebe ihre Spitzenknospen gesetzt haben und nicht weiter durchtreiben, dann ist der günstigste Zeitpunkt gekommen, sie auf die gewünschte Länge zurückzuschneiden. Danach werden die Pflanzen noch einmal durchtreiben, doch dieser Trieb wird nicht mehr so stark werden und er bleibt ungeschnitten.

Schneiden wir zu früh im Sommer, werden die Pflanzen immer wieder stark "ins Holz treiben" und die Blütenbildung bleibt stecken. Erst im Herbst, wenn bei den Äpfeln die Früchte ausgereift sind und die Blätter anfangen sich zu färben, können wir die Pflanzen auf ihre endgültige Form zurückschneiden. Hiernach sind Form und Früchte wieder gut zu erkennen.

Blattschnitt:

Der Blattschnitt, den wir von anderen Gehölzen wie Ahorn, Hainbuche usw. her kennen, bringt bei diesen Gehölzen kaum die gewünschte Wirkung. Bei Äpfeln gibt es eine Möglichkeit, durch einen kompletten zweiten Austrieb die Blätter zu verkleinern. Diese Möglichkeit sollte jedoch nur von denen genutzt werden, die sich ganz sicher sind, dass sie erkennen können, wann eine Pflanze nach einer Trockenperiode wieder Wasser benötigt.

Zunächst warten wir mit dem Blattschnitt solange, bis die Früchte annähernd ihre endgültige Grösse erreicht haben. Das dürfte etwa Mitte Juli der Fall sein. Dann ist auch das Laub einigermassen ausgereift. Jetzt entziehen wir der Pflanze das Wasser, das heisst wir giessen solange nicht mehr, bis die Blätter anfangen zu welken und die Früchte anfangen weich und runzlig zu werden. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, alle Blätter abzuschneiden. Die Blattstiele bleiben jedoch an der Pflanze hängen.

Jetzt nach dem Blattschnitt bekommt die Pflanze wieder ein klein wenig Wasser. Auf keinen Fall geben wir die volle Ration. Jeden Tag geben wir nun etwas mehr Wasser, bis wir nach etwa einer Woche auf die volle Ration kommen. Nach etwa zwei Wochen wird die Pflanze wieder treiben, doch bringt sie in der Regel jetzt nur Kurztriebe mit kleinen Blättern.

Auch die Früchte werden wieder prall. Ein solcher Eingriff ist für die Pflanze eine harte Rosskur und man sollte sich überlegen, ob man diese Gratwanderung unternehmen sollte, denn nur zu leicht werden aus Apfel-Bonsai Strohblumen.

Formen

Mit all diesen beschriebenen Schnittarbeiten werden wir es jedoch meistens nicht schaffen, unsere Idealform des Baumes zu erreichen, sondern hier müssen wir zur Formgebung andere Mittel einsetzen. Die einfachste Möglichkeit, Äste in waagrechte Position zu bringen, ist das Herunterbinden mit Bast oder Schnur.

Schwieriger ist es schon mit dieser Methode, die Äste seitlich zu verstellen. Deswegen ziehen es viele vor, zu drahten.

Ein günstiger Zeitpunkt zum Drahten ist die Zeit unmittelbar vor dem Austrieb, wenn das Holz schon im Saft steht, die Knospen aber noch geschlossen sind. Zu diesem Zeitpunkt ist das Holz biegsamer und nicht mehr so spröde.

Für den neuen Austrieb ist ein günstiger Zeitpunkt etwa Anfang bis Mitte Juli. Jetzt sind die frischen Triebe schon leicht verholzt, aber noch sehr biegsam. Wichtig ist, dass diese frischen Triebe im Ast schon fest verwachsen sind. Wenn wir zu früh drahten, brechen die weichen Triebe sehr leicht aus dem Ast heraus.

Da die Rinde in diesem Stadium noch sehr weich und empfindlich ist, sollten wir den Draht nach Möglichkeit mit Papierstreifen oder Bast etwas polstern.

Die im Sommer gedrahteten Zweige dürften schon im Winter, wenn die Blätter gefallen sind, so fest sein, dass wir den Draht wieder entfernen können. Ebenso ist es mit den Drähten, die wir im Winter um die ausgereiften Äste gelegt haben.

Umtopfen

Das Eintopfen von Pflanzen, die im freien Boden vorgezogen sind, erfolgt am besten während der normalen Pflanzzeiten, im Frühjahr bzw. Herbst. Im Frühjahr ist der beste Zeitpunkt für Äpfel, wenn die Knospen gerade anfangen aufzubrechen.

Die Aprikosen blühen bevor die Blätter austreiben. Für sie ist der beste Zeitpunkt zum Eintopfen, wenn die Blüten abfallen, jedoch bevor die Blätter austreiben. Ähnlich ist es bei den Pfirsichen.

Für das Eintopfen im Herbst ist mir der frühest mögliche Zeitpunkt am liebsten. Dafür wird die Aprikose die erste in der Reihenfolge sein, da sie von all den hier besprochenen Fruchtgehölzen als erste im Trieb abschliesst. Das dürfte etwa Mitte bis Ende September sein. Dieser frühe Topftermin ermöglicht es den Pflanzen, noch vor dem Winter im Gefäss einzuwurzeln, so dass sie den Winter besser überstehen können.

Für die Äpfel gilt das Gleiche, jedoch liegt der Topftermin etwas später - etwa Ende September-Anfang Oktober.

Pfirsiche würde ich persönlich nur im Frühjahr topfen, da das auf jeden Fall sicherer ist. Da alle diese Fruchtgehölze recht hungrig sind und sich in frischem Boden am wohlsten fühlen, wäre es am besten, wenn wir jedes Jahr umtopfen würden. Das löst auch für uns auf einfachste Weise unsere Düngeprobleme, ausserdem die Probleme, die viele mit ihrem Giesswasser haben.

Bei jährlichem Umtopfen werden wir auch kaum Probleme durch Versalzung im Erdsubstrat bekommen.

Düngen

Wie schon gesagt, sind alle diese Fruchtgehölze recht hungrig und sie benötigen reichlich Nahrung zum gesunden Gedeihen. Bei jährlichem Umtopfen führen wir der Pflanze mit der frischen Erde schon einmal die Grundnahrung zu. Als Vorratsdüngung können wir der Erde noch Hornspäne beimischen.

Beim Austrieb im Frühjahr nach der Blüte können wir - quasi zum Anschieben - einige Flüssigdüngungen geben (Bonsai-Flüssigdünger, Guano flüssig und andere). Im Juni geben wir dann einen handelsüblichen Dünger, der für Gehölze geeignet ist. Diese Düngung wiederholen wir etwa Ende Juli noch einmal.

Zu beachten ist, wenn Sie Mineraldünger verwenden, sollten Sie die Gebrauchsanweisung ganz genau beachten, damit es nicht zu Salzschäden im Wurzelbereich kommt.

Dazu noch einen Tip: Wenn es in der Düngeempfehlung z.B. heisst: Alle vier Wochen 2 Gramm / Liter Substrat geben, dann halbieren Sie die Abstände und die Menge. Das heisst Sie geben 1 Gramm / Liter Substrat. Damit gehen Sie jeder Versalzung aus dem Wege.

Pflanzenschutz:

Der Pflanzenschutz bei unseren Apfel-, Aprikosen und Pfirsichbonsai sollte sich ein wenig von dem bei Tafelobst unterscheiden. Während wir beim Tafelobst nicht nur äusserst gesunde Bäume benötigen, brauchen wir hier zudem noch makellose Früchte, da wir hier finanziellen und Marktzwängen unterworfen sind.

Bei unseren Bonsai müssen wir das ja nicht beachten, und so sollten wir auch nicht die vorbeugenden Spritzungen einsetzen, denn wir haben unsere Bonsai ja ständig im Auge und stellen irgendwelchen Schädlingsbefall sofort fest und können dann sofort reagieren. Beginnen wir einfach im Winter, in der Ruhepause.

Alle Schadinsekten sind wie die Pflanzen jetzt in der Winterruhe, das heisst, sie überwintern an der Pflanze in Form von Eiern oder Puppen. Wenn wir diese Stadien vernichten können, dann haben wir im Frühjahr zunächst einmal Ruhe vor Roter Spinne, vor Blattläusen und anderen lästigen Ungeziefern.

Diese Spritzungen führen wir bei frostfreiem Wetter im Februar / März durch. Als Spritzmittel hat sich hier Folidol-Öl sehr gut bewährt. Es wird auch überall in Baumschulen und Obstplantagen eingesetzt. Wenn das Wetter dann wärmer wird und der Austrieb beginnt, werden die nächsten lästigen Untermieter die Blattläuse und Rote Spinne sein.

Hier sind die bekannten Mittel E605, Metasystox und Sumicidin oder aber auch alle Insektizide recht wirksam. Spritzen sollten wir jedoch nur, wenn der Befall wirklich gravierend ist. Solange es sich nur um ein paar Läuse handelt, sollten wir lieber den Wasserschlauch nehmen und diese ungebetenen Gäste einfach wegspritzen.

In den Sommermonaten bei feucht-warmer Witterung kann sehr leicht Mehltau auftreten. Hier empfiehlt sich eine Spritzung mit Saprol. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Pflanzen möglichst rasch abtrocknen. Umso geringer ist die Mehltaugefahr.

Mit diesen Massnahmen haben wir so ziemlich alles getan, um Apfel und Aprikose gesund zu erhalten.

Der Pfirsich jedoch hat noch eine unangenehme Eigenschaft, er wird häufig von der Kräuselkrankheit befallen. Hier empfiehlt sich eine Spritzung mit Orthocid (0,3 %, 30 Gramm auf 10 Liter Wasser) unmittelbar nach dem Befall und kurz vor dem Aufbrechen der Knospen.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass die hier genannten Mittel nicht die einzigen sind. Im Fachhandel werden eine ganze Reihe wirksamer Pflanzenschutzmittel mit gleicher Wirkung angeboten. Wichtig ist, dass ALle Spritzmittel und Gifte ganz genau nach Vorschrift des Herstellers angewendet werden und immer unter Verschluss sind. Es hat auch keinen Sinn, diese Mittel höher zu dosieren, als auf der Packung angegeben ist, denn "töter" als tot, bekommen wir das Ungeziefer nicht.

Überwinterung:

Wenn im Herbst die Blätter der Äpfel, Aprikosen und Pfirsiche gefallen sind, dann wird es langsam Zeit, das Winterquartier für diese Pflanzen vorzubereiten. All diese Arten können Frost vertragen. Für die Äpfel ist die einfachste Art der Überwinterung, sie aus den Schalen herauszunehmen und sie im Garten an einem schattigen Platz im freien Boden einzusenken. Nach dem Einsenken werden die Pflanzen einmal gründlich gewässert, damit sich die Erde wieder an die Wurzelballen anlegt. Danach lassen wir die Pflanzen ziemlich in Ruhe. Lediglich in sehr langen Trockenperioden können wir gelegentlich noch einmal nachwässern.

Wichtig ist, dass der Einschlag für die Pflanzen vor starker Wintersonne und ständigen, austrocknenden Winden geschützt ist.

Im Frühjahr können wir die Pflanzen so wie sie sind wieder aus dem Boden herausziehen und wieder in die alten Schalen setzen, da sie ja über Winter keine neuen Wurzeln bringen. Wer keinen eigenen Garten hat, der kann das Gleiche in einer grossen Kiste mit Torf, Sand oder Erde auf dem Balkon machen. Nur muss man hier die Feuchtigkeit etwas häufiger kontrollieren.

Ähnlich können wir mit Aprikosen und Pfirsichen verfahren, doch müssen wir bei diesen Arten bedenken, dass sie nicht ganz so frostfest sind wie die Äpfel. Bei Temperaturen unter -10 Celsius kann es für diese beiden Arten gefährlich werden. In einem solchen Fall können wir die Pflanzen schützen, indem wir einen Pappkarton darüber stülpen, den wir bei wärmerem Wetter wieder entfernen. Das ist bei sommergrünen Gehölzen durchaus möglich, da diese während der Winterruhe, wenn sie ohne Laub dastehen, kein Licht brauchen.

Im Frühjahr jedoch, wenn der Austrieb beginnt, muss der Karton auf jeden Fall entfernt werden, da dann die Pflanzen volles Licht gebrauchen.